Dr. Stier erläuterte u.a. die Methoden zur Markierung von Wölfen und Damwild (Foto: privat)

Vortrag Dr. Norman Stier – Untersuchung zum Einfluss des Wolfes auf Schalenwild mit dem Schwerpunkt: Damwild

Die Bläsergruppe begrüßte stimmgewaltig die hundert Anwesenden zum o. g. Vortrag. Bereits 2023 hat der Referent den Weg nach Rotenburg gefunden und über die Lebensraumnutzung des Damwildes im Forstamt Schildfeld berichtet. In einem weiteren Forschungsvorhaben haben die Projektmitarbeiter die Wechselbeziehungen von Wolf und Schalenwild und ihrer Umwelt untersucht.

Zu Beginn seines Vortrages stellte der Referent die zwei Untersuchungsgebiete in Mecklenburg-Vorpommern vor. Im Anschluß erläuterte Dr. Stier die Methoden, der Markierung von Wölfen und Damwild. Mit Hilfe der Peildaten konnte ein Raum-Zeit-Muster von Damwild und Wölfen im gemeinschaftlichen Lebensraum erstellt werden.

Insgesamt wurden 36 adulte Stücke Damwild mit GPS-GSM-Halsbändern markiert.  Zudem wurden 84 Damwildkälber gefunden und mit VHF-Miniaturohrmarkensendern ausgestattet. Sieben dieser Kälber stammten von besenderten Muttertieren, so dass eine Verschneidung der Peildaten von dem Muttertier und dem Kalb möglich wurde. Dies ist in der Damwildforschung einmalig, wie auch die Umbesenderung einiger Damkälber auf GPS-Halsbänder.

Obwohl der Fang der Wölfe sehr schwierig war, konnten insgesamt 20 Wölfe besendert werden, 8 in den Damwildtelemetriegebieten und 12 in anderen Lebensräumen in Mecklenburg-Vorpommern. Die 20 Senderwölfe zeigten den  Forschern eine Vielzahl von Wildtierrissen. Hierbei stellte sich heraus, daß die Wölfe das Rehwild als Hauptnahrungsquelle nutzen. Nur im UG 1 Jasnitz und im Rudel Drewensee, in denen das Damwild die Hauptwildart ist, war auch das Damwild die Hauptbeute der Wölfe. Erstaunlich war der geringe Anteil von Schwarzwild in den Losungshaufen und bei den gefundenen Rissen.

Zum Abschluß seines Vortrages erläuterte der Vortragende, welche Auswirkungen  die Wölfe auf den Damwildbestand haben und wie die ansässige Damwildhegegemeinschaft hierauf reagieren kann. Die gefundenen Daten zeigen, daß  die Wölfe dort ca. 15-25% des Damwildfrühjahrsbestandes prädieren und dies sollte bei der Abschußplanung  berücksichtigt werden. Dr. Stier betonte aber auch, daß dieser Prozentsatz nicht ohne weiteres auf andere Hegegemeinschaften übertragbar ist, da viele weitere Faktoren, wie die Höhe des Damwildbestandes, die Größe des Lebensraums oder die Rudelgröße der Wölfe für die Festlegung des Abschußzieles entscheidend seien.

Nach Beantwortung der Fragen schlossen die Bläser die überaus gelungene Veranstaltung.

Henning Küper