Die Doppelmoral 

Liebe Jägerinnen, liebe Jäger,

ist es nicht spannend, in was für einer Zeit wir angekommen sind? Wir haben eine rot-grüne Bundespolitik, die angetreten ist, Deutschland „sauber“ zu regieren. Keine Atomkraftwerke, dafür blühende Landschaften mit Photovoltaik, Wärmepumpen und E-Autos. Auftakt dieser speziellen Ideen war der November 2021. Heute steht fest: Der Absatz der E-Autos in Deutschland bricht ein, es werden so wenige Wärmepumpen wie ewig nicht gebaut, Deutsche Hersteller verkaufen ganze Werke ihrer „grünen“ Heizungsanlagen, die Bänder der deutschen Autoindustrie laufen eher rückwärts als vorwärts und unser Wirtschaftsmotor stottert, spuckt und hustet. 

Auf der anderen Seite sprießen Großflächen-PV-Anlagen wie Pilze aus dem Boden, es sind bundesweit hunderttausende Hektar dieser Anlagen in Genehmigungsverfahren. Anstatt erstmal ohnehin versiegelte Flächen mit erneuerbarer Energie zu bebauen, werden fruchtbare Ackerstandorte zugepflastert und langfristig unserem heimischen Wild vorenthalten. Ganze Reviere werden zerschnitten, unsere Kulturlandschaft erfährt den wahrscheinlich größten Wandel der vergangenen fünfzig Jahre. All das ist: politisch gewollt, am Ende ausgelöst durch einen demoktratischen Prozess.

Wie absurd Politik sein kann, sieht man, wenn man die Wahlprüfsteine des DJV zur Europawahl liest. Allen Ernstes schreibt dort die SPD, dass eine Lockerung des Schutzstatus des Wolfes nicht nötig sei. Gleiches gilt für das Thema Fallenjagd. Diese sei nach Auffassung der SPD aus Tierschutzgründen abzulehnen. Wo auch immer diese widersinnigen Formulierungen herkommen – sie machen fassungslos. Denn sowohl auf Länderebene als auch auf Bundesebene vertritt diese Partei ganz andere Ansichten. 

Ohnehin scheint das Thema „Unordnung“ mittlerweile gesellschaftsfähig zu sein. Während der Gesetzgeber verlangt, dass Landwirte ihre Tiere vor dem Wolf einzäunen, wird in den Forsten lieber scharf gejagt, als dass großflächig gezäunt und das Wild ausgesperrt und so die zu schonenden Kulturen vor Verbiss geschützt werden. Während auf der einen Seite Zäune Probleme lösen sollen, werden sie auf der anderen Seite gar nicht in Betracht gezogen. 

Das Thema Doppelmoral ist bei den Deutschen „en vogue“. Die Frage ist nur: Wie lange noch. Denn Doppelmoral muss man sich leisten können. Eine erste Tendenz könnte die Europawahl abgeben. Daher ist es auch aus unserer Sicht wichtig, sich an dieser Wahl zu beteiligen und mit der eigenen Stimme eine Richtung vorzugeben. Nur so haben wir überhaupt eine Chance, auch in Zukunft unsere Passion und Leidenschaft, die Jagd, auszuüben und zu gestalten.
 

Wulf-Heiner Kummetz