LJN-Mitgliederversammlung in Bad Sachsa
Die diesjährige Landesdelegiertenversammlung der Landesjägerschaft Niedersachsen (LJN) fand in diesem Jahr am dritten Mai im Kurhaus von Bad Sachsa statt. Ausgesprochen herzlich holte der Vorsitzende der ausrichtenden Kreisjägerschaft Osterode, Dr. Karl Schumann, die rund 250 anwesenden Delegierten ab und leitete mit einem Vortrag über das Tun und Handeln seiner Kreisjägerschaft im Harz ein. Neben den Grußworten aus dem Niedersächsischen Landwirtschaftsministerium, vorgetragen von Henning Schmidtke, dem für das Thema Jagd zuständigen Referatsgruppenleiter, war auch der Landrat Marcel Riethig zugegen und lobte die gute und enge Zusammenarbeit mit der Jägerschaft vor Ort. Diese betonte auch der Bürgermeister der Stadt Bad Sachsa, Daniel Quade. Er freue sich, dass Bad Sachsa Gastgeber der LJN-Mitgliederversammlung sein dürfe und stellte wie Landrat Riethig das enorme ehrenamtliche Engagement der Jägerinnen und Jäger und ihre Leistungen für die Allgemeinheit in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Zu den zahlreichen Ehrengästen zählten neben den Vertretern befreundeter Verbände und Institutionen auch viele Abgeordnete des Niedersächsischen Landtags – unter anderem die Jagdpolitischen Sprecher der SPD und der CDU Landtagsfraktionen.
Kernpunkte des Vortrages vom Präsidenten der Landesjägerschaft Niedersachsen waren die Themen Waffenrecht, der Wolf und Prädationsmanagement
Die Notwendigkeit einer intensiven Bejagung von Beutegreifern wie Fuchs, Marder oder Waschbär zum Schutz von Wiesenvögeln und Bodenbrütern ist durch viele Prädationsmanagamentprojekte im ganzen Land und darüber hinaus vielfach nachgewiesen. Die Landesjägerschaft Niedersachsen startet daher noch in diesem Jahr ein neues Projekt zur Förderung von Lebendfangfallen: „Wir wollen mit unserem neuen Förderprojekt einen weiteren Anreiz dafür schaffen, um diese so wichtige Säule für den Erhalt der Artenvielfalt zu unterstützen“, so Helmut Dammann-Tamke, Präsident der Landesjägerschaft Niedersachsen e.V. Zugleich erwartet die Landesjägerschaft aber auch von Seiten des behördlichen Naturschutzes und der Landesregierung ein eindeutiges und klares Bekenntnis zur Bedeutung und Notwendigkeit des Prädarotenmanagements: „Wenn es der Landesregierung und den Naturschutzbehörden ernst ist mit dem Wiesenvogelschutz, ist dies absolut zwingend. Lebensraumverbessernde Maßnahmen allein reichen bei weitem nicht aus“, so Dammann-Tamke weiter.
Großen Raum in seinen jagd- und verbandspolitischen Ausführungen nahm auch in diesem Jahr wieder das Thema Wolf ein. Mit Blick auf die jüngst vorgestellte „Auricher-Erklärung – Die Zweite“ verdeutlichte er nochmals die Dringlichkeit eines Bestandsmanagementes: „Wir brauchen hier endlich praxistaugliche und vor allem rechtssichere Lösungen von der Politik. Im Klartext: wir fordern ein Bestandsmanagement beim Wolf, das diesen Namen auch verdient. Bleibt dies weiterhin aus, ist auch der Frieden im ländlichen Raum.
Die notwendigen Daten, Zahlen und Fakten zur Aus- und Verbreitung des Wolfes in Niedersachsen gäbe es, so Dammann-Tamke mit Blick auf das Wolfsmonitoring der LJN. Allein im vergangen Jahr seien rund 10.000 Meldungen eingegangen – davon allein 4.200 C1-– also sichere – Wolfsnachweise. Bundesweit sei dieses Monitoring in Bezug auf die Datenqualität und auch die Aktualität einzigartig. Sicher sei dies auch zu großen Teilen auf die umfangreiche und engagierte Mitarbeit der Jägerschaften und der Jägerinnen und Jäger zurückzuführen. Den Dank und das Lob hierfür dehnte der LJN-Präsident auch auf das zweite große Monitoringprogramm der LJN aus: Die Wildtiererfassung Niedersachsen (WTE): Mit einer Beteiligungsrate von jährlich etwa 80 Prozent der Revierinhaber – entspricht dies auch über 80 Prozent der Landesfläche Niedersachsen. Die WTE sei damit bundes- und auch europaweit einzigartig. Einen besonderen Dank richtete er in diesem Zusammenhang an Dr. Egbert Strauß, der seit 1993 federführend verantwortlich für die Durchführung und wissenschaftliche Auswertungen der Wildtiererfassung ist und mit seinem Gesicht für dieses Erfassungsprogramm steht. Ende dieses Jahres gehe Dr. Strauß in den Ruhestand – als „Abschiedsgeschenk“ wolle man insbesondere diese hohe Beteiligungsraten weiter halten.
Bundesweit für großes Aufsehen hatte ein Urteil zur Aufbewahrung von Waffenschrankschlüsseln des OVG Münster aus dem vergangenen Jahr gesorgt. Das Urteil – so sieht es auch das Niedersächsische Innenministerium – ist eine Einzelfallentscheidung, die für die Legalwaffenbesitzer in Niedersachsen keine bindende Wirkung hat. Unter dem Titel „Was Recht ist, muss Recht bleiben – Zur Zukunft des Legalwaffenbesitzes in Deutschland“ war Waffenrecht und Waffengesetz auch Thema des Gastvortrages von Matthias Klotz, Geschäftsführer des Bundesverbandes Zivile Legalwaffen (BZL) – vormals Forum Waffenrecht. Klotz sieht die politischen Vorhaben der Waffenrechtsverschärfungen sehr kritisch und möchte sich mit seinem Verband in Zukunft noch stärker für die Legalwaffenbesitzer stark machen.
Jagpolitisch ebenfalls hoch bedeutsam, darauf wies der LJN-Präsident hin, sei der 9. Juni 2024, der Tag der Europawahl in Deutschland: Da etwa 80 Prozent der politischen Entscheidungen, die in EU-Ländern die Jagd beeinflussen, mittlerweile in Brüssel getroffen werden, sei der Gang zur Wahlurne wichtig. Als Beispiele führte er unter anderem die EU-Feuerwaffenrichtlinie und die Änderung des Schutzstaus des Wolfes sowie die REACH-Verordnung an.
Hoch erfreut zeigte sich Dammann-Tamke über die steigenden Mitgliederzahlen im Verband: „Das große Interesse an den Jagdscheinkursen, das uns aus unseren Jägerschaften immer wieder berichtet wird, spiegelt sich auch in unseren Mitgliederzahlen wider. Wir haben mittlerweile die Marke von 60.000 Mitgliedern schon überschritten und sind damit auch was die Mitgliederzahlen angeht, einer der größten anerkannten Naturschutzverbände in Niedersachsen.“ Er verwies in diesem Zusammenhang auch auf das neue LJN-Mitgliedermagazin „BLATTZEIT“ mit dem nun ein weiterer Schritt in Richtung Kampagne- und Mobilisierungsfähigkeit des Verbandes geschaffen sei. Neben der kontinuierlichen Information aller Verbandsmitglieder über das was in Niedersachsen – und darüber hinaus – gerade jagd- und verbandspolitisch aktuell sei, sei dieser Aspekt einer zentraler Gedanke bei der Umsetzung des Mitgliedermagazins gewesen.
Im Rahmen der Veranstaltung wurden zudem eine Reihe von verdienten Funktionsträgern für ihre besonderen Verdienste um die Jagd und das Waidwerk in Niedersachsen mit dem LJN-Verdienstabzeichen in Gold ausgezeichnet: Reinhard Ebeling, besonderer Vertreter des Kreisjägermeisters seit 2016 aus der Jägerschaft Springe, Josef Schröer, Stellv. Präsident der Landesjägerschaft Niedersachsen e.V. seit 2008 und Claus-Wilhelm Deig, stellv. Vorsitzender der Jägerschaft Osterode seit 2005 erhielten aus den Händen des LJN-Präsidenten diee höchste innerverbandlichen Auszeichnung, die die Landesjägerschaft Niedersachsen zu vergeben hat
Am Nachmittag standen dann die Verbandsregularien auf der Tageordnung.
Abschließend dankte Dammann-Tamke der Jägerschaft Osterode herzlich für die perfekte Organisation und Durchführung der Mitgliederversammlung und hier namentlich dem Vorsitzenden Dr. Karl Schumann und seinem Stellvertreter Claus Deig sowie den vielen helfenden Händen, die im Vorfeld und während der Mitgliederversammlung für einen reibungslosen Ablauf gesorgt hatten.
LJN