Politische Spitze

Schutzstatus Wolf – ein Meilenstein oder Rohrkrepierer?

In Niedersachsen lebten im Jagdjahr 2024/2025 56 Wolfsrudel, vier Wolfspaare und drei Einzelwölfe. Schaut man mal in Richtung Skandinavien, genauer gesagt nach Schweden, Anmerkung meinerseits: Ich meine das Finnland mehr Wölfe hat als Schweden – bitte prüfen. dem Land mit der größten Population im hohen Norden, muss festgestellt werden, dass dieses Flächenland, was immerhin zehn Mal so groß wie Niedersachsen ist, mit 36 Wolfsrudeln und 21 Wolfspaaren eine deutlich kleinere Wolfspopulation vorhält. Dennoch werden in Schweden Wölfe gejagt. 

Die Politik in Deutschland versteckte sich bisher stets hinter dem EU-Schutzstatus des Wolfes. So gibt die Flora-Fauna-Habitat-Richtline, kurz FFH-Richtlinie genannt, seit vielen Jahren vor, dass der Wolf gesetzlich im Anhang IV veranktert ist. Damit gilt der Grauhund als streng geschützte Art und darf nur in ausdrücklichen Einzelfällen entnommen werden. Die Rot-Grün-Gelbe Ex-Regierungs-Truppe hat sich um das Thema Abschuss von Problem-Wölfen gewunden wie ein Aal. Seit dem achten Mai steht nun fest, dass das Europäische Parlament der Änderung des Schutzstatus vom Wolf auf EU-Ebene zugestimmt hat. Damit ist er von Anhang IV auf Anhang V, also „nur noch“ geschützt, herabgestuft worden. Wer glaubt, dass jetzt alles geregelt ist, der irrt. Denn auch der Rat der Europäischen Union muss dieser Herabstufung noch zustimmen. Das sollte eine Formsache sein.

Ist diese Hürde genommen, liegt es an unserer neuen Bundesregierung, umzusetzen, was Koalitionsvertrag verankert wurde: Nämlich die Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht als wichtigste Voraussetzung für ein fundiertes, regional differenziertes Wolfsmanagement in Deutschland. Damit würden parallel nahezu alle Schutzbestimmungen aus dem Bundesnaturschutzgesetz entfallen.

Die Fußstapfen, die unsere „zurückgetretene“ Bundesregierung hinterlassen hat, sind wahrlich nicht groß und rückblickend, was das Thema Wolf, Jagd oder Waffengesetz angeht, als unterentwickelte Zwergen-Trittsiegel zu betrachten. Daher ist es umso wichtiger, dass unsere neue Bundesregierung Versäumnisse aufarbeitet, sich an den Koalitionsvertrag hält und die so notwendigen, wegweisenden Schritte im EU-Rat geht, um in Deutschland und Europa das Thema Wolf einzufangen. Am Ende geht es nicht um die Erlegung des Raubtieres Wolf, sondern um die Achtung und den Respekt gegenüber den Landwirten, den Weidetierhaltern, besonders den Schäfern und der gesamten Bevölkerung im ländlichen Raum. 

Es liegt in der Hand der jetzigen Bundesregierung, ob Deutschland in vier Jahren noch durch die sogenannten Alt-Parteien regiert werden kann, oder sich die andere politische Strömung, die zweifelsohne durch ein Politik-Versagen der vergangenen Jahre entstanden ist, durchsetzt. Entscheidende Stimmen kommen vor allen Dingen aus dem ländlichen Raum. Es bleibt zu hoffen, dass unsere neue Bundesregierung die Lage ernst nimmt und liefert – auch im Sinne der Jagd. 

Wulf-Heiner Kummetz