Gemeinsam für Jagd und Natur (v. l.): Kreislandwirt Wilfried Henties, Holger Willies (stellvertretender Vorsitzender Jägerschaft Peine), Jens Haarstrich (Schriftführer Jägerschaft Peine), Kreisjägermeister Hans Werner Hauer, Landrat Henning Heiß, DJV-Präsident Helmut Dammann-Tamke, Holger Hahn (stellvertretender Peiner Bürgermeister), Hans Hesse (Bezirksvorsitzender Landesjägerschaft) und Steffen Bartels (Vorsitzender Jägerschaft Peine). Foto: Birthe Kußroll-Ihle

Engagement für viel Reichweite über Social-Media-Kanäle

DJV-Präsident Helmut Dammann-Tamke setzt auf Dialog und Geschlossenheit für waidgerechte Jagd

Kurzweil statt Langatmigkeit - Dialog statt Monolog: Die Jägerschaft des Landkreises Peine hat ihr Format für die Hauptversammlung dem Zeitgeist angepasst und das Programm gestrafft. Rund 200 Jägerinnen, Jägern und Gästen wurde ein Abend mit Wissensgewinn, Geselligkeit, Klängen der Jagdbläser, Wildbratwurst und Gesprächen bereitet. Maximale Aufmerksamkeit bekam Helmut Dammann-Tamke, Präsident der Landesjägerschaft Niedersachsen und des Deutschen Jagdverbandes (DJV). Er zeigte sich noch ganz überwältigt vom Erfolg der Großdemonstration der Jagenden und ihrer Verbündeten am 30. Januar in Hannover. 20.000 Menschen aus ganz Deutschland kamen in die Landeshauptstadt, demonstrierten friedlich gegen die geplanten Jagdgesetzänderungen und setzten ein Zeichen der Geschlossenheit mit „Wir-Gefühl“ – ein Protest mit Wirkung. „Niedersachsen ist Jägerland und darf bewusst diesen Titel tragen“, sagte er und ergänzte erfreut mit Blick auf die Anwesenden im Peiner Gildesaal: „Die Jägerschaft wird jünger und weiblicher.“

Und der Jägernachwuchs sorgt auf Social-Media-Kanälen für enorme Reichweite seiner Botschaften. Als Beispiel sprach Dammann-Tamke Kurzvideos - die sogenannten „Reels“ - an, die neun junge Jagende kostenlos gedreht hatten und die im Nu zwei Millionen Mal gesehen wurden. Seine Erkenntnis für die Jagd und den ländlichen Raum aus dem Demo-Großereignis: „Jäger werden künftig kritischer gesehen. Wir müssen in Social Media rein, junge Menschen über Smartphones erreichen, so wird Jagd 2025 eine gute Zukunft haben.“ Die Demonstration habe Zeichen gesetzt, die SPD-Koalitionspartner von Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte (Bündnis 90/Die Grünen) hätten Druck auf die Ministerin ausgeübt und sich in den meisten Konfliktfragen – wie Ausbildung der Jagdhunde am lebenden Wild - an die Seite der Jäger gestellt.

Aus aktuellem Anlass sprach Dammann-Tamke auch über den herabgestuften Schutzstatus des Wolfs. Seit 7. März ist der Beschluss der EU-Kommission in Kraft, den Schutzstatus vom Wolf von „streng geschützt“ auf „geschützt“ zu ändern. Diese Entscheidung schaffe neue Handlungsspielräume im Wolfsmanagement der Regionen. Der Wolf bleibe geschützt aber nicht unantastbar.

Steffen Bartels, Vorsitzender der Jägerschaft Peine, warb für die Jungjägerausbildung und die Möglichkeit, an Drück- und Treibjagden teilzunehmen – ein Praxisbezug, den Jagdschulen nicht böten. Von den aktuell 1011 Mitgliedern der Jägerschaft Peine seien 145 Frauen - ein überdurchschnittlicher Anteil von 13 Prozent. Landesweit seien zehn Prozent Jägerinnen. Er appellierte an Landrat Henning Heiß, das Projekt „Fallenförderung“ umzusetzen. Die Fangjagd sei eine effektive Jagdmethode, zumal der Waschbär im Peiner Land weit verbreitet und Nutria auf dem Vormarsch seien.

Heiß versicherte, er wolle sich für eine „schlanke und einfache Förderung von Fallen stark machen.“ Den Jagenden bescheinigte der Landrat einen „sicheren und gewissenhaften Umgang mit Waffen, Sorgfalt, Disziplin und gesetzeskonformes Handeln sowie hohe ethische Maßstäbe.“ Gleichwohl erinnerte er an die Gültigkeit und Verlängerung der Jagdscheine bis 31. März 2025. Holger Hahn, stellvertretender Bürgermeister der Stadt Peine, sprach das „Engagement fürs Gemeinwohl in einer Zeit mit vielen Herausforderungen“ der Jägerinnen und Jäger an. Er lobte, dass es ohne das Wirken der Jägerschaft viele Initiativen zur Hege und Nachwuchsförderung nicht gebe.

„Wenn wir Landwirte und Jäger zusammenstehen, sind wir in der Lage, auf unsere Bedarfe hinzuweisen“, machte Kreislandwirt Wilfried Henties deutlich. „Unser Ziel ist Wald mit Wild, und da sind wir auf einem guten Weg im Landkreis Peine“, sagte Kreisjägermeister Hans Werner Hauer. Langjährige Mitglieder der Jägerschaft können sich derweil auf den 30. März freuen. Dann werden sie beim Jägerfrühstück im Schützenhaus für 50-, 60,- 65- und 70-jährige Treue geehrt – kurzweilig und wertschätzend.

Birthe Kußroll-Ihle