Die Jagdhorngruppe Bad Bentheim eröffnete das diesjährige Jägerfrühstück

33. Grafschafter Jägerfrühstück: Blick in die Arbeit der NABU-Kreisgruppe

Bis auf den letzten Platz war der Festsaal im Hotel Nikisch in Schüttorf besetzt als Rüdiger Köhler, Vorsitzender der Grafschafter Kreisjägerschaft, nach Signalen der Jagdhornbläsergruppe Bad Bentheim I die Gäste aus Politik, Behörden, Vereinen, Verbänden, Verwaltung, Medien und natürlich der Jägerschaft zum traditionellen 33. Grafschafter Jägerfrühstück Ende Januar willkommen heißt. Namentlich begrüßt er den Landrat, Herrn Uwe Fitzek, die Dezernatsleiterin beim Landkreis für Sicherheit und Ordnung, Frau Dr. Elke Bertke, den Referenten dieses Neujahrsempfangs, Herrn Gerd Busmann, die Bundestagsabgeordneten Frau Dr. Daniela de Ridder (SPD) und Herrn Albert Stegemann (CDU), den Kreisvorsitzenden der CDU, Herrn Reinhold Hilbers, den Vorsitzenden der Initiative Pro Grafschaft (IPG), Herrn Uwe Heiduczek und last but not least den Kreisjägermeister des Landkreises Grafschaft Bentheim, Herrn Reinhold Gosejakob.

Landrat Uwe Fitzek geht in seinem Grußwort besonders auf Tierseuchen wie Maul- und Klauenseuche, Afrikanische Schweinepest, aber auch die Vogelgrippe und die Hasen-Myxomatose ein. Wieder habe sich gezeigt, dass die Jägerschaft eine tragende Säule bei der Krisenbewältigung auf Landkreisebene sei. Bei der nicht jagenden Bevölkerung dürfe dies anerkennend zur Kenntnis genommen werden.

Mit dem vergangenen Jahr, so beginnt Rüdiger Köhler seinen Jahresrückblick, gäbe es in der Grafschaft 1.800 Jäger und Jägerinnen, davon 1.500 organisiert, die zu gut 70 % digital vernetzt seien. Die jungen Jäger nähmen zu, die Frauen auch – beides sehr zu begrüßen und höchst erfreulich. Beschäftigt hätten die Jäger natürlich auch die fürchterlichen Anschläge mit Messern und Autos mit der Folge einer weiteren Verschärfung des Waffenrechts. Damit würden aber gerade die Menschen getroffen, die sich eh an gültige Regeln hielten. In NRW sei vorgesehen, 73.000 legale Waffenbesitzer zu kontrollieren. Nur, wer solle das machen? 500 Behördenmitarbeiter wären dafür erforderlich. Neben einem Erstarken der AFD erfüllen die Pläne der grünen Landwirtschaftsministerin in Hannover die Jäger mit Sorge, das niedersächsische Landesjagdgesetz nach nur zwei Jahre seit der letzten Novelle erneut zu überarbeiten. Hierzu aber habe die niedersächsische Landesjägerschaft Widerstand angekündigt und zu einer Großdemonstration aufgerufen, weil etliche grüne Änderungsvorstellungen fachlich unbegründet seien, teils auch unsinnig. Zwischenzeitlich fand diese Demonstration mit 20.000 Jägern, immerhin Zahlen nach Angaben der Polizei und des NDR, statt. Die Teilnehmer in Signalkleidung kamen aus ganz Niedersachsen und dem gesamten Bundesgebiet. Was hat die Jägerschaft noch beschäftigt? Inzwischen steht die Raumschießanlage auf finanziell soliden Füßen. Dank an dieser Stelle allen Mitwirkenden. Überraschend brach die Myxomatose über die Hasenbestände herein und forderte Verluste, teilweise bis zu 90%. Viele Reviere haben ihre Jagden abgesagt. Nun bleibt zu hoffen, dass die Bestände sich wieder erholen. Weiter hielt die Blauzungenkrankheit Landwirte, Tierhalter und Jäger in Atem und neuerlich drohte von Brandenburg die Maul- und Klauenseuche zu kommen. Die bewährt gute Zusammenarbeit zwischen Landkreis, Veterinäramt und Jägerschaft hat reibungslos funktioniert und schafft es, Schlimmeres zu verhindern. Die Drohnenteams der Jägerschaft mit über 50 Drohnen bewahrten wieder Hunderte von Jungtieren vor dem Mähtod, über 200 Nistkästen wurden aufgehangen, finanziert durch die Jägerschaft, dem Steinkauz greifen die Jäger ebenfalls mit Niströhren unter die Schwingen, Streuobstwiesen wurden gepflanzt und mithilfe der Bingo Umweltstiftung wurden über 50 Fallen und Fangmelder angeschafft, um Bodenbrüter zu unterstützen. Dies zeige, dass mit der Jäger-Ausbildung qualifizierte, fachkundige, ehrenamtliche Naturschützer ausgebildet würden, die sich tatkräftig um den Erhalt der Artenvielfalt in unserer Kulturlandschaft kümmern. Der Wolf bereitet nach wie vor Kummer. Die Wolfsbestände nehmen weiter zu, auch wenn das Bundeslandwirtschaftsministerin offenbar bewusst veraltete Zahlen veröffentlichen lässt. In Niedersachsen leben derzeit 56 bestätigte Rudel, 4 Paare und 3 Einzeltiere. Eine längst überfällige Rückstufung des Schutzstatus sei im Fluss, ein Management des Wolfsbestandes unumgänglich. Und dies nicht nur, um Risse an Weidetieren einzudämmen, sondern besonders auch zum Deichschutz an der Küste.

Nach weiteren Stücken der Bläsergruppe Bad Bentheim I stellt Herr Gerhard Busmann, Vorsitzender der Kreisgruppe Grafschaft Bentheim, die vielfältige ehrenamtliche Arbeit des NABU in einem eindrucksvoll bebilderten Vortrag vor. Der NABU geht auf den von Lina Hähnle 1899 gegründeten Bund für Vogelschutz zurück. Wie damals sind die Aufgaben weiterhin aktuell: Artenschutz ist nur über den Erhalt des Lebensraumes zu erreichen. Und so kümmert sich die Kreisgruppe seit 15 Jahren um das Dalum-Wietmarsche Moor und entfernt dabei in Abstimmung mit der Staatlichen Moorverwaltung und dem Jagdpächter aufwachsende Birken, damit die freien Moorflächen, eine wichtige CO2-Senke, als einzigartiger Lebensraum erhalten bleiben. Jährlich organisieren die Umweltschützer 15 Veranstaltungen im Rahmen der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und stellen ihre Arbeit vor, wie die Anlage von Amphibienschutzzäunen am Ems-Vechte-Kanal oder in der Bardel in der Nähe des Klostergymnasiums. Sind Arbeitseinsätze vonnöten, helfe die Bundeswehr berichtet Gerhard Busmann. Sehr aktiv seien die Umweltschützer auch mit der Kamera. So wurde eine Fotohütte errichtet, von der aus man die zumeist scheuen Tiere gut fotografieren könne. Viele der gezeigten eindrucksvollen Fotos entstammten der geduldigen Arbeit der fotografierender Umweltschützer. Auch im Insektenschutz seien sie aktiv und stellten Insektenhotels auf, die mit trockenem Holz, auch Hartholz, in das Löcher unterschiedlichen Durchmessers gebohrt würde, beschickt werden. Tannenzapfen, wie es bisweilen zu sehen sei, seien ungeeignet als Brutstätten für überwiegend solitäre Insektenarte, erklärt Gerhard Busmann. Auch ein Sandarium würde unterhalten, um seltenen Sandlaufkäfern Lebensraum zu bieten. Für den Wiedehopf wurde ein Brutkasten aufgehangen. Möglicherweise wird er künftig zur Brut genutzt, wenn die Lebensraumbedingungen sich für diesen auffallenden Insektenfresser artgerecht entwickeln. Für Hirsch- und Nashornkäfer wurden Käfermeiler mit einem Volumen von etwa 5 m3 angelegt. Manches Projekt wird von der Bingo Umweltstiftung gefördert. Auf einem knapp 2 ha großen Gelände an der Weißen Riete wird Naturschutz aus zweiter Hand betrieben. 2–3-mal pro Jahr fänden dort Tage der offenen Tür statt, die regelmäßig gut besucht seien. Großen Anklang fänden auch die Bat-Nights, die in Schüttorf und Brandlecht angeboten würden und bei denen Fledermäuse im Kern des Interesses stünden. Auch diese Abend- und Nachtveranstaltungen seien regelmäßig ausgebucht. Zu Nistkästen rät Gerhard Busmann, dass der NABU keine Meisenkästen mehr aufhinge, da Meisen in Hausgärten meist gut unterstützt würden. Wichtiger sei es, anderen Singvogelarten Nisthilfen anzubieten. Bedauerlich sei allerdings, so Busmann, die lückenhafte Artenkenntnis in der Bevölkerung über Vögel. 

Nach diesem informativen und beeindruckend bebildertem Vortrag trug die Jagdhornbläsergruppe Bad Bentheim I noch einige Vortragsstücke vor und schuf einen harmonischen musikalischen Rahmen um das diesjährige Jägerfrühstück.

Kreisjägermeister Reinhold Gosejakob berichtet über aktuelle jagd- und waffenreichliche Entwicklungen

Frühjahrsversammlung der Grafschafter Jägerschaft: Wildtierseuchen und Waffenrecht

Gut gefüllt war der Saal im Hotel Rammelkamp in Nordhorn bei der Frühjahrsversammlung der Grafschafter Jägerschaft. Kaum verwunderlich, denn beunruhigend schieben sich Wildtierseuchen angesichts vielfältiger Umweltveränderungen in den Vordergrund, beschrieben von Kreis-Veterinäramtsleiter Dr. Hermann Kramer. Ebenso brisant ist auch das zweite Thema, fast schon ein Dauerbrenner: Aktuelles zum Waffenrecht aus Gerichten und Verwaltung. Hier referiert Kreisjägermeister Reinhold Gosejakob.

Bei den Wildtierseuchen stehen Maul- und Klauenseuche (MKS), Afrikanische Schweinepest (ASP), Tularämie, besser bekannt als Hasenpest und die erst im Spätsommer auch in der Grafschaft ausgebrochene Myxomatose beim Feldhasen auf der Tagesordnung. Wütete sie bislang unter Wildkaninchen, fordert sie nun beim Hasen vielerorts bedrohliche Ausfälle.

Maul- und Klauenseuche (MKS) und Afrikanische Schweinepest (ASP), beide hochansteckend, befallen Haus- wie Wildtiere und sind deshalb besonders kritisch. Während die MKS alle Paarhufer und damit alle Schalenwildarten befällt, infiziert die ASP Schweineartige wie Haus- und Wildschwein. Die große Gefahr: Beide können enorme wirtschaftliche Schäden bis in Milliardenhöhen verursachen. Die Übertragung der Virus-Erreger durch Verschleppen gilt es folglich zu verhindern. Vorbeugende Maßnahmen sind Mittel der Wahl. An dieser Stelle bringt Dr. Kramer die Jäger ins Spiel, die schon bei einem ASP-Fall vor wenigen Jahren durch umsichtiges Handeln in der Zusammenarbeit mit dem Kreisveterinäramt Hervorragendes geleistet hätten, um den Fall unter Kontrolle zu halten. So gälte auch jetzt wieder, sich bei dem jüngst in Brandenburg aufgetretenen Fall von Maul- und Klauenseuche vorausschauend zu verhalten. Da Wildfleisch und Jagdtrophäen den Erreger tragen können, seien umfassende Hygienemaßnahmen von der gründlichen Reinigung des Jagdwagens über Stiefel, Schuhwerk und Jagdkleidung einzuhalten, um unter allen Umständen zu verhindern, dass die Seuche verschleppt würde. Erschwerend käme hinzu, dass die MKS-Viren in der Umwelt stabil seien und Hitze wie Kälte widerstünden. Zudem ließen sich die Viren nicht durch Desinfektion abtöten, sondern nur durch zumeist aggressive Säuren. So weit solle man es allerdings möglichst nicht kommen lassen. Unerlässlich sei ebenfalls, bei der Jagd vor und nach dem Schuss auf Auffälligkeiten im Verhalten, auf Krankheitsanzeichen oder Organveränderungen zu achten. Bei dem Verdacht einer Erkrankung solle umgehend bitte das Veterinäramt informiert werden. Von dort würden weitere Schritte veranlasst. Vieles was für den Umgang mit der MKS gelte, träfe auch für die ASP zu. Und auch hier hielte sich das Virus in verarbeitetem Wildfleisch über Monate und in Tiefgefrorenem sogar mehrere Jahre. Auch wenn in den Medien beide Tierseuchen weniger präsent wären, sei eine Seuchenverschleppung nach wie vor brandaktuell. Der Amtsveterinär bat daher weiterhin um wachsame Aufmerksamkeit. Dies sei den menschengemachten Umweltveränderungen geschuldet.

Bei der Tularämie oder Hasenpest gab es nach Dr. Kramer in den Bundesländern unterschiedlich hohe Seuchenfälle. Betroffen sind von dieser bakteriellen Erkrankung Feldhase und Wildkaninchen, aber auch andere Wildarten können befallen werden. Für Jagdhunde bestehe kaum Gefahr, allerdings könne sich der Mensch infizieren. Schutzmaßnahmen wie Einmalhandschuhe, Atemschutzmaske und Schutzbrille seien beim Umgang mit Hase und Kanin empfohlen.

Die Myxomatose wird durch ein Virus ausgelöst, das zu den Pockenviren zählt. Nach einem ersten Ausbruch beim iberischen Feldhasen 2018 fielen erkrankte und verendete Hasen im Spätherbst 2024 erstmals auch im nordwestlichen Nordrhein-Westfalen und in den südwestlichen Landkreisen Niedersachsens auf. Auch hier hob Dr. Kramer die gute Zusammenarbeit mit der Jägerschaft hervor, die verendete Hasen an das Kreisveterinäramt zur Untersuchung ablieferte. Bis jetzt könne man sagen, dass jedes Revier vor einer Bejagung das Wild zählen solle. Gute Hasenbesätze könnten in der Jagdzeit auch bejagt werden.

Das zweite Thema des Abends, nicht minder brisant, steht unter dem Titel „Wenn Justitia mitjagt – Aktuelles aus Gerichten und Verwaltung“. Kreisjägermeister Reinhold Gosejakob berichtet: Der diffuse Schutzstatus des Wolfes hält auch Gerichte auf Trab, wodurch es zu aufwändigeren Verfahren käme. Bezüglich der Anzahl Langwaffen müsse man sich als Jäger auf Nachfragen der Behörde einstellen. Beim Bejagen von Pferde- oder Rinderweiden rät Gosejakob zu Fingerspitzengefühl im Umgang mit den Flächennutzern und empfiehlt bei der Höhe der Jagdhaftpflichtversicherung den Maximalbetrag zu wählen, um vor unliebsamen Überraschungen gefeit zu sein.