Managementpläne für den Artenschutz

Systematisches Prädationsmanagement ist der Schlüssel zum Erfolg für die Niederwildhege (Kauer/DJV)

Das Thema Prädationsmanagement ist nicht nur wichtig, vielmehr ist es bei immer mehr Naturschutzprojekten eine tragende Säule für den nachhaltigen Erfolg zur Erhaltung stark gefährdender Arten, wie zum Beispiel dem Birkwild oder dem Rebhuhn. Der BLATTZEIT-Chefredakteur Wulf-Heiner Kummetz interviewte dazu Marcus Steiner (Vorsitzender) und Christian Hembes (stellv. Vorsitzender) vom Landesverband der Berufsjäger Niedersachsen e.V., die Fragen wurden gemeinsam beantwortet.

BLATTZEIT:Welche Rolle spielt ein systematisches Prädationsmanagement heute im Wildtier- und Naturschutzmanagement, und welche Ziele sollten dabei im Vordergrund stehen?

Ein systematisches Prädatorenmanagement ist heute ein unverzichtbarer Bestandteil des modernen Wildtier- und Naturschutzmanagements. Es stellt eine zentrale Voraussetzung für den Schutz gefährdeter und rückläufiger Arten dar und dient insbesondere der Förderung von Niederwildarten sowie anderer schutzbedürftiger Bodenbrüter und Offenlandarten. Für einen nachhaltigen Erfolg ist eine Kombination aus aktivem und indirektem Prädatorenmanagement erforderlich. Dabei ist die aktive Bejagung von Prädatoren eine notwendige Ergänzung zu lebensraumverbessernden Maßnahmen. Wissenschaftliche Untersuchungen und zahlreiche Praxiserfahrungen belegen die Wirksamkeit einer konsequenten Prädatorenbejagung. Die nachhaltige Bestandsstützung vieler Zielarten ist nur durch das Zusammenspiel von Lebensraumverbesserung und Prädatorenkontrolle möglich.

Was ist dafür entscheidend?

Entscheidend ist dabei eine flächendeckende und langfristige Umsetzung anstelle punktueller Einzelmaßnahmen. Ebenso ist eine revierübergreifende Zusammenarbeit eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg. Die Einbindung der örtlichen Jägerschaft stellt dabei einen entscheidenden Erfolgsfaktor dar. Anstatt zusätzliche Einschränkungen der Jagdausübung zu schaffen, sollten die vorhandenen Kompetenzen und Strukturen genutzt werden. Die Motivation und Gewinnung von Jägern als aktive Partner im Artenschutz ist dabei von großer Bedeutung. Darüber hinaus bedarf es einer engeren Zusammenarbeit zwischen Naturschutz, Behörden und Jägerschaft. Gemeinsame Zieldefinitionen, abgestimmte Maßnahmenplanungen sowie ein regelmäßiger Austausch zwischen allen beteiligten Akteuren sind wichtige Grundlagen. Ebenso müssen die lokalen Kenntnisse und Erfahrungen der Revierinhaber berücksichtigt werden. Insbesondere in Pachtrevieren ist die aktive Mitwirkung des zuständigen Jägers unverzichtbar.

Grundlage für die zielgerichtete Weiterentwicklung aller Maßnahmen sind schließlich eine konsequente Erfolgskontrolle und ein kontinuierliches Monitoring.

Welche Daten und Informationen müssen vor der Erstellung eines Prädationsmanagement-Plans erhoben werden, um die tatsächliche Prädationssituation in einem Revier fundiert bewerten zu können?

Die wichtigste Grundlage für die Erstellung eines Prädationsmanagement-Plans ist die Erfassung der aktuellen Bestandsdichte und Verbreitung der Zielarten. Dabei muss zunächst bewertet werden, ob noch eine ausreichend große Ausgangspopulation vorhanden ist, die durch geeignete Maßnahmen stabilisiert oder gefördert werden kann.

Ebenso wichtig ist die Feststellung von Brut-, Setz- und Aufzuchterfolgen der Zielarten. Hierzu gehören die Erfassung von Verlustursachen bei Gelegen, Jung- und Alttieren sowie die Dokumentation tatsächlicher Prädationsereignisse und der jeweils beteiligten Prädatorenarten. Für eine fundierte Datengrundlage haben sich verschiedene Methoden bewährt. Dazu zählen Wärmebildzählungen zur Erfassung von Zielarten und Prädatoren, Baukartierungen von Fuchs- und Dachsbauen sowie die Gelegeüberwachung mittels Wildkameras oder direkter Kontrollen. Darüber hinaus sollten Gelegeverluste und deren Ursachen analysiert sowie Nester und Aufzuchtgebiete gefährdeter Arten überwacht werden.

Wie schaut es in dem Zusammenhang mit der Habitatqualität aus?

Neben den direkten Prädationsdaten ist auch die Bewertung der Habitatqualität von großer Bedeutung. Dabei müssen Strukturen identifiziert werden, die Prädatoren begünstigen können. Ergänzend sollte ein standardisiertes Raubwildmonitoring durchgeführt werden. Die Erfassung des Feldhasenbesatzes stellt dabei einen wichtigen Indikator für den Erfolg eines Prädatorenmanagements dar. Grundsätzlich ist ein fortlaufendes Monitoring vor, während und nach den Maßnahmen erforderlich. Zudem sollten frühzeitig die Möglichkeiten einer revierübergreifenden Zusammenarbeit analysiert werden. Entscheidend ist letztlich die rechtzeitige Identifikation negativer Bestandstrends, um geeignete Maßnahmen frühzeitig einleiten zu können.

Welche Inhalte und Maßnahmen sollte ein professioneller Prädationsmanagement-Plan mindestens umfassen, damit er langfristig wirksam und nachvollziehbar ist?

Ein professioneller Prädationsmanagement-Plan sollte zunächst die Zielarten sowie die angestrebten Populationsziele klar definieren. Darüber hinaus müssen konkrete und messbare Erfolgsparameter festgelegt werden. Grundlage jeder Planung ist die Erfassung der Ausgangssituation durch ein umfassendes Monitoring, einschließlich der Analyse vorhandener Prädatorenbestände und ihrer räumlichen Verteilung sowie der Bewertung von Lebensraumqualität und Lebensraumkapazität. Die Prädationssituation sollte jährlich neu bewertet werden, damit Maßnahmen an aktuelle Entwicklungen und Monitoringergebnisse angepasst werden können. Bestandteil des Plans müssen konkrete Maßnahmen zur Reduktion des Prädatorendrucks sein. Ziel sollte es sein, die Anzahl reproduzierender Prädatoren insbesondere vor der Setz- und Brutzeit auf ein möglichst niedriges Niveau zu senken. Gleichzeitig muss berücksichtigt werden, dass nach Bestandsreduktionen einzelner Arten Nischenbesetzungen durch andere Beutegreifer auftreten können.

Und damit einher geht quasi die ​Verbesserung der Lebensräume?

Neben der Prädatorenkontrolle bildet die umfassende Lebensraumverbesserung den zweiten zentralen Baustein eines erfolgreichen Managements. Ziel ist die Erhöhung der Lebensraumkapazität für die Zielarten sowie die Verbesserung der Überlebensbedingungen für Jungtiere, insbesondere durch die Verringerung landwirtschaftlicher Verluste. Zu den notwendigen Monitoringmaßnahmen gehören Geheckerfassungen und Baukartierungen ebenso wie die Dokumentation von Brut- und Aufzuchterfolgen sowie die Erfassung von Gelegeverlusten und Prädationsereignissen. Als wesentliche Erfolgsfaktoren haben sich der Einsatz von Berufsjägern oder besonders engagierten ehrenamtlichen Jägern erwiesen. Darüber hinaus ist eine revierübergreifende Zusammenarbeit erforderlich, um Insellösungen zu vermeiden. Ebenso wichtig sind regelmäßige Abstimmungen zwischen Jägerschaft, Behörden und Naturschutz sowie die vollständige Dokumentation aller Maßnahmen und Ergebnisse.

Also heißt es im Umkehrschluss, dass Prädatorenmanagement keine Sache für eine Saison ist?

Grundsätzlich ist ein professionelles Prädatorenmanagement kein einmaliges Projekt, sondern ein dauerhaftes Managementsystem, das jährlich neu bewertet, angepasst und umgesetzt werden muss.

Wulf-Heiner Kummetz