Damwild-Tier mit Kalb (Foto: Jürgen Stück)

Hegering Rotenburg (Wümme)

Damwild – Ein Vortrag von Dr. Michael Petrak im Haus am Luhner Forst am 16.04.26

Vor neunzig Jahren wurde das Damwild im Bereich Rotenburg/Verden ausgewildert. Die Damwildhegegemeinschaften Trochel und Luhne freuten sich, anläßlich dieses Jubiläums Herrn Dr. M. Petrak für einen Vortrag gewinnen zu können.

Nachdem die starke Bläsergruppe die Anwesenden im vollbesetzten großen Saal im Haus am Luhner Forst brauchtumsgerecht begrüßt hatten, hieß Hegeringleiter Küper im Namen der Hegeringe Brockel, Rotenburg, Scheeßel und Sottrum Herrn Dr. Michael Petrak willkommen.

Herr Dr. Petrak hat vor 40 Jahren im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie unseren Damwildbestand untersucht. Die Ergebnisse sind veröffentlich in den Schriften des Arbeitskreises für Wildbiologie und Jagdwissenschaft an der Justus-Liebig-Universität Gießen unter dem Titel: Zur Ökologie einer Damhirschpopulation in der nordwestdeutschen Altmoränenlandschaft des Niedersächsischen Tieflandes.

Einleitend erläuterte der Vortragende die Stammesgeschichte des Damwildes über die Warmzeiten innerhalb der Weichselvereisung und das nahezu vollständige Aussterben zum Kältehöhepunkt der Eiszeit. Nur im Bereich der heutigen Türkei konnte sich eine Restpopulation halten. Große Bedeutung wurde dem Damwild in den Hochkulturen des Altertums zuteil. Später hielten die Römer Damwild und brachten es auf die britische Insel, von wo es in der Folge nach Dänemark verbracht wurde.

Woher das in Rotenburg/Verden ab 1935/36 ausgewilderte Damwild stammte, stellte Dr. Petrak anhand einer Karte vor. Die Stücke kamen aus Putbus, Rixdorf, Dammereez, der Schorfheide und 3 Stücke aus Ulm. Insgesamt wurden von 1935 bis 1941 34 weibliche und 23 männliche Stücke in vier Eingewöhnungsgatter verbracht und i.d.R. nach der Brunft in die Freiheit entlassen. 

Der Vortragende führte aus, daß das hiesige, gemäßigte Klima dem Damwild unmittelbar zu Gute kommt, z.B. durch das Fehlen  längerer Schneeperioden. Mittelbar profitiert das Damwild von dem günstigen Klima, da das Klima die Vegetation, die dem Damwild als Nahrung dient, positiv beeinflußt. Anhand von vielen Beispielen konnte Dr. Petrak dies in Zusammenhang mit der Ernährungsökologie des Damwildes darstellen.

In einem weiteren Teil seines Vortrages erläuterte  Dr. Petrak, daß  Damwild unter Mithilfe der Jäger für die Studie vermessen wurde und stellte die Ergebnisse zu den Beziehungen zwischen Alter, Geschlecht und den gemessenen Körpermaßen und –gewichten dar.

Dr. Petrak berichtete, daß Damwildfänge errichtet wurden und 28 Stücke Damwild markiert werden konnten. Die Beobachtungsdaten lieferten wertvolle Erkenntnisse zum Aktionsraum und Wanderungen des Wildes.

Grundlage jeder verantwortungsvollen Wildtierbewirtschaftung ist die Erhebung der Bestandshöhe. Hier stellte der Referent u.a. die Möglichkeit der Zählung aus der Luft vor. Günstiger Zeitpunkt für die Zählung ist der Erstfrühling, sobald die Hohe Schlüsselblume mit der Blüte beginnt.

Aus den Ergebnissen seiner Studie resultierend  gab Dr. Petrak wertvolle Anregungen für die Hege und wildgerechte Bejagung des Damwildes.

Die Anwesenden waren dem spannenden und sehr informativen Vortrag aufmerksam gefolgt  und nach der Beantwortung von zahlreichen Fragen schloß ein vielstimmiger Hörnerklang den Vortragsabend. 

Henning Küper