Kummer am Dümmer Politische Spitze

Foto: Sebastian Kapuhs

Sie haben sicher die Schlagzeilen in den Medien wahrgenommen. Die Rede ist vom Gänseproblem am Dümmer See. So titelte zum Beispiel die Bildzeitung: „Behörde lässt 6.000 Graugänse abschießen“. Am Dümmer See gibt es seit sehr vielen Jahren immer stärker werdende Probleme mit Grau- und Kanadagänsen. Hierbei handelt es sich um mittlerweile über 7.000 Tiere, die dem Dümmer inmitten der Vegetationsphase den Garaus machen. Die Jägerinnen und Jäger vor Ort und die Landesjägerschaft Niedersachsen weisen seit sehr vielen Jahren darauf hin, dass das Wasserwild, sofern die Bestände nicht klein gehalten werden, ein großes Problem für den Dümmer darstellen wird. Leider haben wir recht behalten. Die Gänse zerstören durch ihren unaufhaltsamen Fraßdruck sämtliche Schilfflächen rund um den 12,4 Quadratkilometer großen und bis zu 1,40 Meter tiefen See. Dabei sind die Schilfbereiche für das Gewässer und sein komplexes Ökosystem überlebenswichtig. Eindrucksvoll ist an Weisergattern, also eingezäunten Bereichen, zu erkennen, welch unfassbaren Schaden die Gänse anrichten. Während die dem Wild vorenthaltenen Schilfbereiche mit sattem Grün glänzen, sind auf den nicht eingezäunten Bereichen kahl gefressene Uferzonen zu sehen, die einer Mondlandschaft gleichen.

Neben den abgeästen, mitunter für immer zerstörten Uferbereichen, ist eine andere Sache nicht auf den ersten Blick zu erkennen: Nämlich die Exkremente, mit denen die Vögel den Flachwassersee zunehmend belasten. Und während sich die Gänse über die Schilfbereiche hermachen, verlieren gefährdete Tierarten wie der Drosselrohrsänger oder die Rohrdommel ihren Lebensraum.

Dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) ist die Lage nun zu heikel geworden und hat einen Antrag gestellt, auch während der Schonzeit die Gänse im Vogelschutzgebiet bejagen zu dürfen. Dem Antrag ist bereits von der Unteren Jagdbehörde stattgegeben worden. Bejagt werden dürfen ausschließlich nicht brütende Gänse – mit Schalldämpfer und Büchse.

Nicht nur der Dümmer hat ein Problem mit Gänsen – schauen wir nur mal in Richtung Ostfriesland, stehen wir vor ähnlichen Problemen. Ganz nebenbei: Die Rede ist bis hierhin nur von der Grau- und Kanadagans. Hinzu kommen tausende durchziehende Gänse, die die Problematik am Dümmer potenzieren.

Nun sollen die Jägerinnen und Jäger richten, was wir seit vielen Jahren vorausgesagt haben. Klar ist: Ohne uns und unsere regulierenden Eingriffe in die Wildtierbestände wird es nicht gehen. Genau an dieser Stelle schließt sich auch der Kreis. Denn wofür sind Sie Anfang des Jahres in Hannover auf die Straße gegangen? Unter anderem für den Erhalt der sachgerechten Ausbildung der Jagdhunde. Hier ist die Wasserarbeit an der Ente hervorzuheben. Dass wir die Probleme, die seit vielen Jahren bewusst und sehenden Auges vom Naturschutz provoziert wurden, nicht von heute auf morgen lösen können, sollte uns klar sein. Aber: Die Jägerinnen und Jäger vor Ort stehen bereit und wollen, im Sinne des Naturschutzes, helfen.

Dabei ist die Jagd nur ein Anfang. Uns muss klar sein, dass wir vor einer weiteren Herausforderung stehen. Denn alleine werden sich die „entnommenen“ Gänse nicht vermarkten. Ob diejenigen, die jetzt von uns fordern, „mal eben“ rund 6.000 Gänse zu erlegen, auch bereit sind, uns diese abzukaufen, ist fraglich.

Am Ende muss klar sein, dass in Zeiten immer komplexer werdender Lebensumstände ein praxisnaher Naturschutz nur gemeinsam mit uns Jägerinnen und Jägern funktioniert. Hätte man rechtzeitig eingegriffen und auf unsere Kompetenz gebaut, gäbe es das Problem mit der Überpopulation der Gänse heute sehr wahrscheinlich nicht.

Waidmannsheil, Wulf-Heiner Kummetz