Mitgliederversammlung der LJN in Oldenburg
Die diesjährige Mitgliederversammlung der Landesjägerschaft Niedersachsen wurde von der Jägerschaft der Stadt Oldenburg ausgerichtet. Ein Team um Kreisjägermeister Andreas Wehage und den frisch gewählten Vorsitzenden Oliver Fischer hatte den großen Saal der Weser-Ems-Hallen in Oldenburg liebevoll ausgeschmückt, unter anderem zierten Skulpturen des Tierplastikers Curt R. Lehmann den Festsaal. Gerade zweieinhalb Wochen im Amt, begrüßte Fischer im Namen seiner Jägerschaft die über 220 angereisten Delegierten und zahlreichen Ehrengäste vonseiten der Politik und befreundeter Verbände. In einem kurzen Bericht stellte der Vorsitzende die Jägerschaft der Stadt Oldenburg vor. „Ganz oben steht bei uns die Jugendausbildung, es werden auch schon die ganz kleinen Kinder an die Natur herangeführt“, so der neue Vorsitzende.
Die Bürgermeisterin der Stadt Oldenburg, Petra Averbeck, stellte in ihrem Grußwort heraus, wie wichtig die Zusammenarbeit mit der Jägerschaft ist: „Vielen Dank, dass Sie als Jägerschaft seit 75 Jahren an unserer Seite stehen“, sagte Averbeck.
Aus dem niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz berichtete der Referatsleiter für „Waldpolitik und Jagd“, Michael Degenhardt: Er lobte die herausragende, ehrenamtliche Tätigkeit der Jägerinnen und Jäger in Niedersachsen, die sich in allen Bereichen des Jagdwesens widerspiegele. Mit Blick auf die Jagdstrecken des vergangenen Jagdjahres resümierte er: „Die Jagdstrecke zeigt uns eindeutig, wie agil die Jägerschaft in Niedersachsen agiert, insbesondere bei den invasiven Arten“. Degenhardt betonte in seinem erweiterten Grußwort auch das besondere Engagement der Jägerinnen und Jäger in Sachen Nutria-Bejagung und stellte die großen Schäden der Nager heraus. Zum Thema Wolf sagte Degenhardt: „Die EU-Entscheidung, den Schutzstatus zu senken, ist ein Schritt in die richtige Richtung.“
In diesem Jahr erhielten auch alle vier Fraktionen des Niedersächsischen Landtages die Möglichkeit, der Versammlung ihre Grußworte und die politische Haltung zum Thema Jagd zu überbringen. Sebastian Lechner, Landes- und Fraktionsvorsitzender der CDU, dankte in seinem Grußwort unter anderem allen Jägerinnen und Jägern in Niedersachsen für das große Engagement und ihren Einsatz für die Gesellschaft. „Sie haben uns alle sehr beeindruckt mit der wohl größten Demo vor dem Niedersächsischen Landtag in der jüngeren Vergangenheit“, so der CDU-Politiker. Zum Thema der Novellierung des Landesjagdgesetzes wurde Lechner sehr deutlich: „Wir haben eines der besten und modernsten Jagdgesetze in ganz Deutschland. Daher meine Bitte an meine Kollegen im Niedersächsischen Landtag – lassen Sie Ihre Entwürfe in der Schublade.“
Nicolas Breer, Mitglied der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen und selbst Jäger, betonte in seinem Grußwort, dass es auch innerhalb seiner Fraktion Jägerinnen und Jäger gäbe, die sich sehr für das Thema Jagd einsetzen. „Es freut mich, dass sich zudem immer mehr junge Menschen und vor allen Dingen Frauen für die Jagd interessieren.“
Alfred Dannenberg, jagdpolitischer Sprecher der AfD-Fraktion, stellte in seinem Grußwort heraus, dass sich seine Partei für alle Teile der waidgerechten Jagd einsetze. „Uns liegt sehr daran, das vorhandene Jagdgesetz zu erhalten.“ betonte Dannenberg. Karin Logemann, die agrarpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, wies in ihrem Grußwort nicht nur auf das Problem mit der Nutria hin. „Die SPD setzt sich immer wieder mit dem Thema Jagd intensiv auseinandersetze und der gemeinsame Weg kann nur der Dialog sein." Vor diesem Hintergrund dankte sie der Landesjägerschaft für den kontinuierlichen, konstruktiven und intensiven Austausch.
75 Jahre LJN
LJN-Präsident Helmut Dammann-Tamke warf zu Beginn seiner jagdpolitischen Ausführungen einen Blick auf einige der wichtigen Meilensteine in der 75-jährigen Verbandsgeschichte: „Wir können stolz sein auf die Leistungen dieses Verbandes und seiner über 60.000 Mitglieder in den vergangenen 75 Jahren. Der Erfolg der verschiedenen Projekte aus den unterschiedlichen Bereichen unseres Verbandswesens liegt in dem enormen ehrenamtlichen Engagement unserer Mitglieder begründet“, so Dammann-Tamke. Die Anerkennung der Landesjägerschaft als Naturschutzverband im Jahr 1979 sei nicht nur ein wegweisender Moment in der Verbandsgeschichte gewesen, sondern der Verband habe seither bewiesen, dass dies vollkommen zu Recht geschehen sei. Als Beispiele nannte er unter anderem die beiden Erfassungsprogramme der Landesjägerschaft – die im Jahr 1991 gestartete Wildtiererfassung Niedersachsen (WTE) und die im Dezember 2011 mit dem Land Niedersachsen geschlossene Kooperationsvereinbarung für das Wolfsmonitoring. Beides seien außergewöhnlich erfolgreiche Monitoringprogramme, die bundesweit als vorbildlich betrachtet werden. Daneben zeugten auch Programme wie die Aktion Biotopschutz seit dem Jahr 1984 oder die Aktion Hegebüsche, die die LJN bereits im Jahr 1967 ins Leben rief, von dem nachhaltigen und erfolgreichen Engagement der Verbandsmitglieder im Bereich Natur- und Artenschutz. Als die herausragende Wegmarke der jüngeren Vergangenheit bezeichnete er die Großdemonstration des Verbandes am 30. Januar 2025 in Hannover vor dem Niedersächsischen Landtag gegen die geplanten Änderungen des Niedersächsischen Jagdgesetzes: „20.000 Teilnehmer haben ein deutliches Zeichen der Geschlossenheit gesetzt und einen eindrucksvollen Beleg dafür geliefert, dass Jagd und Jäger in Niedersachsen eine starke Stimme haben“, so der Präsident der Landesjägerschaft. Zwar seien einige wichtige Kernforderungen der Landesjägerschaft, insbesondere im Bereich der Jagdhundeausbildung, erfüllt worden, dennoch werde man den weiteren Gesetzgebungsverlauf mit der noch ausstehenden Verbändeanhörung sehr intensiv begleiten. Der Verband erwarte, dass auch im Rahmen dessen die fachlichen Argumente der Jägerschaft berücksichtigt und auf ideologisch motivierte Einschränkungen und Verbote verzichtet werde.
Die am Vortag der Mitgliederversammlung getroffene Entscheidung des Europäischen Parlaments, der Änderung des Schutzstatus des Wolfes auf EU-Ebene zuzustimmen – der Wolf soll in der FFH-Richtlinie von Anhang IV (streng geschützt) auf Anhang V (geschützt) heruntergestuft werden – bewertete der LJN-Präsident in seinen Ausführungen als weiteren wichtigen Meilenstein auf dem Weg hin zu einem regional differenzierten Wolfsmanagement. Die neue Bundesregierung sei nun aufgefordert, der Änderung im Europäischen Rat zuzustimmen und zugleich auf Bundesebene die rechtlichen Voraussetzungen für ein effektives Bestandsmanagement zu schaffen.
Beitragserhöhung
Am Nachmittag standen unter anderem die Themen Beitragserhöhung und die Wahlen zum Präsidium auf der Tagesordnung: Um den Verband auch für die Herausforderungen der Zukunft aufzustellen und zu rüsten, stimmte die Mitgliederversammlung dem Antrag des Präsidiums auf eine Beitragserhöhung um 15 Euro – wirksam ab dem Beitragsjahr 2027 – nach ausführlicher Beratung und Aussprache mit sehr deutlicher Mehrheit von knapp 90 % zu. Im Anschluss an diesen Tagesordnungspunkt fanden die Wahlen zum Präsidium statt. Einstimmig wiedergewählt wurde LJN-Präsident Helmut Dammann-Tamke. Die zur Wiederwahl angetretenen stellvertretenden Präsidenten Ernst-Dieter Meinecke, Josef Schröer und Ralf Eickhoff wurden ebenfalls einstimmig wiedergewählt.
Der langjährige stellvertretende Präsident Helmut Blauth trat auf eigenen Wunsch nicht erneut zur Wahl an, um sein Amt in jüngere Hände zu legen. Bereits im Jahr 2022 wurde er aufgrund seiner besonderen Verdienste um die Jagd mit der LJN-Verdienstnadel in Gold, der höchsten Auszeichnung des Verbandes, geehrt. Als sein Nachfolger kandidierte auf Vorschlag des Präsidiums der stellv. Vorsitzende des Bezirks Oldenburger Land und Kreisjägermeister des Landkreises Vechta, Marco Sadelfeld. Seine Wahl zum stellvertretenden Präsidenten erfolgte einstimmig. LJN-Schatzmeister Christian Schaper trat auf eigenen Wunsch aus beruflichen Gründen ebenfalls nicht mehr zur Wiederwahl an. Seit dem Jahr 2021 war er als Schatzmeister im Präsidium der LJN tätig. Im Rahmen der Mitgliederversammlung erhielt er in Anerkennung seiner Verdienste die LJN-Verdienstnadel in Silber. Zu seinem Nachfolger und neuen Schatzmeister wurde auf Vorschlag des LJN-Präsidiums Bernd Heinemann aus der Jägerschaft Bersenbrück e.V. ebenfalls einstimmig gewählt. Das neu gewählte LJN-Präsidium bedankte sich für das entgegengebrachte große Vertrauen und freut sich auf die Zusammenarbeit mit den beiden neu ins Präsidium gewählten Vertretern Marco Sadelfeld und Bernd Heinemann, um gemeinsam mit ihnen die Landesjägerschaft Niedersachsen für die zukünftigen Aufgaben zu rüsten und die erfolgreiche Verbandsarbeit weiter fortzusetzen.
Im Rahmen der diesjährigen Mitgliederversammlung erhielten Dr. Hans-Jürgen Hamann, (langjähriger Vorsitzender der Jägerschaft Syke e.V. und stellv. Vorsitzender des Bezirks Hannover), Heinrich Hellbrügge (langjähriger Kreisjägermeister des Landkreises Uelzen und Funktionsträger) und Jürgen-Hinrich Kohrs (langjähriger Kreisjägermeister des Landkreises Gifhorn und Funktionsträger in der Jägerschaft) in Anerkennung ihrer Verdienste um die Jagd, die LJN-Verdienstnadel in Gold.
Florian Rölfing und Wulf-Heiner Kummetz