Quelle: DJV, Hinnerk Hadenfeldt

Hegering Buchholz

Verwaiste Rehkitze im Ort

Nach verschiedenen Rückwärtssuchen während und nach dem Ende der Rehkitz-Suche in der Grasmahd wurde am Montag, den 15. Juli in der Frühe eine überfahrene Ricke mitten in der Stadt Buchholz (befriedeter Bezirk) an einer Kreuzung aufgefunden. Der Unfall wurde bei der Polizei nicht gemeldet. Die Ricke führte augenscheinlich Nachwuchs. Nach Benachrichtigung des Revierpächters wurde das nahe Umfeld auf den möglichen Ablageort der Kitze geprüft und Gespräche mit den hilfsbereiten Anliegern geführt, deren Grundstücke an dem nahen, wiesenbesäumten Bach liegen und die die sehr überschaubare, verinselte Rehwildpopulation mit insgesamt drei Kitzen aus Beobachtungen bestens kannten. Die Polizei wurde über den Vorgang informiert und darüber, dass das Drohnenteam der Rehkitzsuche Buchholz, Teil der Kreisjägerschaft des LK Harburg, nun diese Flächen auf der Suche nach verwaisten Kitzen mit einer Drohne mit Wärmebildkamera abfliegen würde. Die Polizei unterstütze das Vorgehen und wünschte uns viel Erfolg, Startfreigabe! Schon beim ersten Abfliegen wurden eine Ricke mit einem Kitz in Bewegung sowie zwei einzeln liegende Kitze in dem Bereich gesichtet. Für eine Sicherung verwaister Kitze ist es sehr wichtig, deren Zugehörigkeit abzusichern, um das Leid nicht noch zu vergrößern. An den folgenden Tagen gab es weitere Sichtungen der Kitze, jeweils am Morgen und am Abend an derselben Stelle. Ein sich daran anschließender Versuch der Vergrämung mit einem elektronischen Kitzretter KR01, der dazu bestimmt ist, dass Ricken ihre Kitze verlässlich aus einem Gebiet herausführen, brachte nicht den entsprechenden Erfolg, was die Annahme, dass es sich um die richtigen Kitze handelte, festigte. Neben den fortlaufenden Beobachtungen der beiden und der erfolglosen Vergrämung, kamen zudem mehrere Wildkameras zum Einsatz, die die Kitze praktisch rund um die Uhr beobachteten. Auch hierbei zeigte sich über die Tage kein Besuch einer Ricke in ihrer Nähe. Während dieser Zeit wurde parallel die Verbringung in eine Wildtierstation vorbereitet. Die Sicherung sollte mit Unterstützung von Helfern aus den lokalen Rehkitzrettungsgruppen der Jägerschaften in Buchholz und Tostedt mit einem Schafszaun und großen Keschern erfolgen, da die Kitze schon sehr mobil waren. Bei dem vorgelagerten Orientierungsflug waren die Kitze wegen der vielen Büsche zunächst nicht zu finden. Erst auf einer zweiten Runde konnten die Kitze dann doch noch neben der kleinen Lichtung unter einem Baum gesichtet werden. Zu unserer Überraschung zeigten sich beide noch immer bei sehr guter Verfassung, beide ästen intensiv. Wir haben daraufhin die Wildtierstation kontaktiert und uns beraten. Dort empfahl man uns die Kitze zunächst weiter zu beobachten. Die Aussicht, dass sie trotz mangelnder Milch durchkämen, sei gegeben. Nur wenn sich der Zustand signifikant verschlechterte, wollten wir eingreifen und die Risiken, die eine Sicherung und der Transport bedeuten, eingehen. Kurzerhand wurden alle Anlieger mit einem Wurfblatt über die Geschehnisse informiert und gebeten ihre Hunde weiterhin an der Leine zu führen. Die Resonanz war toll. Um den Bereich wurden Hinweisschilder "Wildruhe-Zone" aufgestellt, ferner wurde in Abstimmung mit einer Wildtierexpertin eine kleine Ergänzungsfutter-Stelle eingerichtet, in der Hoffnung die Mangelernährung etwas auszugleichen. Auch diese kameraüberwacht, um im Falle missbräuchlicher Annahme durch andere Wildtiere, wieder abbrechen zu können. Mittlerweile sind weitere drei Wochen vergangen und die Kitze wachsen und stehen gut da. Nun hoffen wir, dass sie vielleicht ja noch Anschluss finden. Ein Schmalreh wurde schon oft in ihrer Gesellschaft beobachtet.

Inzwischen haben sich diese beiden Kitze bei den Anwohnern zu absoluten Sympathieträgern entwickelt und die Resonanz auf dieses besondere Engagement der Jägerschaft war ausnahmslos toll. 

An dieser Stelle käme der ja hier selbstverständliche Hinweis keine Kitze unbedacht aufzunehmen und Wildunfälle immer zu melden.

Klaas Hinnark Hardenfeld