Vom Entschluss zur Organisation einer GroßveranstaltungWir demonstrieren!

Der Platz vor dem niedersächsischen Landtag färbte sich am 30. Januar in ein leuchtendes Orange (Foto: LJN)

Als sich die Landesjägerschaft Niedersachsen und die Fachleute des Landwirtschaftsministeriums Ende vergangenen Sommers zusammensetzten und sich erstmalig über eine mögliche Novellierung des Landesjagdgesetzes unterhielten, ahnte noch niemand, in welche Richtung sich das Thema entwickeln würde. Kurz vor Weihnachten stand dann fest, dass es schon Ende Januar 2025 eine Demo geben soll – organisiert durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der LJN-Geschäftsstelle und das Präsidium der LJN. Wer sich ein wenig mit Veranstaltungsorganisation auskennt, vermag ein kleines Gefühl dafür haben, was für das erfolgreiche Gelingen einer solchen Großveranstaltung zu leisten ist. Das Team um Stephan Johanshon hat seit der Entscheidung kurz vor Weihnachten quasi Tag und Nacht, während, zwischen und nach den Feiertagen gearbeitet, viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben auf Urlaub verzichtet oder haben diesen abgebrochen. Auch das Präsidium saß dreimal pro Woche zusammen und hat sich ausgetauscht. Anders wäre es einfach nicht möglich gewesen, eine Veranstaltung mit einem solchen Format und am Ende rund 20.000 Teilnehmern zu realisieren. Unter anderem mussten unzählige Genehmigungen eingeholt und ein Wust von kurzfristigen Entscheidungen getroffen werden. Fahnen, Schilder, Plakate, Pressemitteilungen, unfassbar viel Bürokratie – die Telefone in der Geschäftsstelle standen nicht still, alle Leitungen glühten. Man mag sich nicht vorstellen, wie aufwendig es alleine war, so kurzfristig Dixi-Klos zu bekommen. Am Ende war es ein Heer von über 300 ehrenamtlichen Ordnern, einer Vielzahl von ehrenamtlichen Helfern und der Herkules-Leistung der Geschäftsstelle zu verdanken, dass die Demo in Hannover nicht nur ein maximaler Erfolg war, sondern für die kommenden Jahrzehnte unvergessen bleiben wird.

Ebenso beeindruckend war die Reichweite der Berichterstattung zahlreicher öffentlicher Medien und Fachmagazine. Vor Ort wurde interviewt, gefilmt und fotografiert, die Beiträge liefen bereits wenige Stunden nach Beendigung der Demonstration im TV. Der Verlauf auf Facebook, Instagram und Co. war orange gefärbt. Auf den Social-Media-Kanälen der LJN haben wir allein auf unser Video über 168.000 Aufrufe erzielt (Stand 14.02.2025).

Wulf-Heiner Kummetz

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20.000 Jägerinnen und Jäger setzen ein Zeichen Der 30. Januar 2025

Nach dem Motto „Jetzt geht‘s ums Ganze – Jagd sichern, Natur bewahren!“ hatte die Landesjägerschaft Niedersachsen am 30. Januar zu einer Demonstration in Hannover aufgerufen – etwa 20.000 Menschen folgten diesem Aufruf. Das war eine der größten politischen Demonstrationen der letzten Jahre in der Landeshauptstadt.

Jäger als starke Stimme des ländlichen Raums

„Wir freuen uns, dass so viele Jägerinnen und Jäger den Weg nach Hannover gefunden haben. Niedersachsen ist ein Jägerland und das haben wir heute in beeindruckender Weise unter Beweis gestellt. Wir haben eine starke Stimme und wir werden für unsere Interessen auch künftig eintreten. Das hat die Politik inzwischen verstanden“, sagte Helmut Dammann-Tamke, Präsident der Landesjägerschaft Niedersachsen, im Rahmen der Auftaktkundgebung auf dem Schützenplatz. Die Bilder vor Ort sprachen Bände und waren beeindruckend. Weit über 200 mit Waidmännern und Waidfrauen gefüllte Busse reisten aus dem gesamten Bundesgebiet an. Lange Staus sorgten dafür, dass die Veranstaltung mit einer leichten Zeitverzögerung anlief. An der Seite der Landesjägerschaft demonstrierten zudem viele andere Gruppen aus dem ländlichen Raum gegen die Ideen aus dem Landwirtschaftsministerium. Den Jägerinnen und Jägern für ihren großen ehrenamtlichen Einsatz für den Natur- und Umweltschutz eine Stimme zu geben, war Ziel der Demonstration. Und noch bevor sich der Demonstrationszug in Bewegung gesetzt hatte, war klar, dass dieses Ziel erreicht werden würde. Mit Jagdhörnern, Pfeifen und unzähligen Demonstrationsschildern bestückt, ging es gemeinsam vom Kundgebungsplatz in Richtung Landtag. Mehrere Schlepper führten den Demonstrationszug an. Und während die letzten Teilnehmerinnen und Teilnehmer noch auf dem Schützenplatz standen, rollten die Traktoren, gefolgt von einem Meer orange gekleideter Demonstranten, vor dem Landtag vor. Wie groß dieser Demonstrationszug war, wurde vor allen Dingen aus der Luft deutlich. Der Menschenstrom der Jägerinnen und Jäger sah aus wie ein roter Faden und war am Ende sinnbildlich für den Erfolg der Veranstaltung.

Der Bereich vor der Bühne am Platz der Göttinger Sieben füllte sich schnell, ebenso die Karmarschstraße, der Platz am Denkmal der Göttinger Sieben, das galt auch für die Friederikenbrücke und den Platz davor. Die Leine war quasi flankiert von Jägerinnen und Jägern. Eine Großbildleinwand an der Friederikenbrücke sorgte für eine einwandfreie Übertragung auf der Bühne. Zu den Rednern zählten neben dem Präsidenten Helmut Dammann-Tamke auch die Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte, Karl Walch, Präsident JGHV, Astrid Garben-Mogwitz, Präsidentin des Zentralverbandes der Jagdgenossenschaften und Eigenjagden in Niedersachsen (ZJEN), der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, Bernhard Krüsken, der jagdpolitische Sprecher der SPD, Christoph Willeke, für die Angler Heinz Pyka und Dirk Koslowski von Landwirtschaft schafft Verbindung (LsV).

Helmut Dammann-Tamke machte in seiner Rede deutlich, dass die Jägerschaft das Gefühl hat, hinter die Fichte geführt zu werden. Gegenüber der Politik machte der LJN-Präsident seinem Unmut Luft: „20.000 Jägerinnen und Jäger sind heute hier vor Ort. Dieser Druck hat Wirkung gezeigt. Jetzt geht es darum, die Zugeständnisse durch die Verbändeanhörung nicht wieder zu verwässern. Die Ministerin lässt sich von Kräften vor den Karren spannen, die dies nur als Etappe zur Abschaffung der Jagd sehen“, so Dammann-Tamke. In diese Kerbe schlug auch Bernhard Krüsken. „Wir haben es mehrfach gesehen, dass der ländliche Raum gemeinsam aufstehen musste, um politische Übergriffe abzuwehren. Der Wolf ist ein Beispiel dafür, dass nichts gelöst ist. Unabhängig von diesem Gesetzentwurf geht es um etwas Grundsätzliches. Es geht um Tierschutz und Waidgerechtigkeit. Was nicht geht, ist eine sektenhafte Auslegung von Ideologien.“ Hitzig wurde es, als die Ministerin das Wort ergriff und sich darin versuchte, die geplanten Änderungen zu rechtfertigen. „Viele von Ihnen wissen, dass ich vor 10 Jahren die Jägerprüfung abgelegt habe. Mir ist es ein Anliegen, die Jagd in Niedersachsen weiterzuentwickeln. Elektronische Fallenmelder haben zum Beispiel die Lebendfallen tierschutzgerechter gemacht. Zur Ausbildung am lebenden Wild möchte ich betonen: Ich war vor einem Jahr im Schwarzwildgatter und habe gesagt, das ist in Ordnung. Bei der lebenden Ente müssen wir allerdings die Ausbildung weiterentwickeln, genauso wie bei der Schliefenanlage. Die Ausbildung am lebenden Tier ist also kein Grund, hier heute zu demonstrieren.“ Zum lautstarken Protest entgegnete Staudte: „Es gehört in der Politik dazu, alle Interessengruppen anzuhören. Ziel muss es sein, ein Jagdgesetz zu entwickeln, das breit getragen wird.“

Der jagdpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Christoph Willeke, machte deutlich, dass sich seine Partei für die Jägerinnen und Jäger in den Diskussionen eingesetzt hat und unterstrich die Ausführungen der Ministerin. „Es wird kein Verbot für die Ausbildung am lebenden Tier geben. Das hat einen einfachen Grund: Wir brauchen gut ausgebildete Hunde, sie vermeiden unnötiges Tierleid. Der Abschuss verwilderter Hauskatzen bleibt erhalten, Sie richten erheblichen Schaden an und haben als invasive Art nichts mit der Artenvielfalt zu tun. Die Jagd im Naturerdbau sorgt allerdings für Situationen, die für Tiere unnötiges Leid verursachen können. Es gibt zahlreiche gute Alternativen. Deshalb wird es nicht mehr nötig sein, Hunde in Naturbauten einschliefen zu lassen. Wir bleiben im Dialog. Einige Dinge werden sich durch das Gesetz ändern. Aus unserer Sicht in eine gute Richtung“, sagte Willeke.

Die Jägerschaft: Politik muss nun Worten taten folgen lassen

„Wir nehmen nun unsere Landwirtschaftsministerin und auch die SPD-Fraktion beim Wort: Keine Änderung bei den bestehenden und bewährten Regelungen zur Ausbildung unserer Jagdhunde! Das war und ist eine unserer roten Linien und das ist ein Erfolg für den Tierschutz, für die Jagd und für uns als Verband“, so Dammann-Tamke.

Zudem habe die SPD-Fraktion offenbar kurzfristig auch andere grüne Vorstellungen aus dem kommenden Gesetzentwurf streichen können – auch dafür danke man der SPD – weitere Kernforderungen der Landesjägerschaft würden damit erfüllt. Der Landesjägerschaft sei es stets um die Sache gegangen, ein Jagdgesetz, das den Ansprüchen des Tierschutzes und der praktischen Jagdausübung gerecht werde, um nichts anderes. Dafür reiche man auch der zuständigen Ministerin die Hand.

„Klar ist, nach dem heutigen Tag ist die Erwartungshaltung unserer über 60.000 Mitglieder groß: Wir vertrauen auf ein Gesetz, das die fachlichen Argumente der Jägerschaft berücksichtigt und gänzlich auf ideologisch motivierte Einschränkungen und Verbote verzichtet“, sagte der Präsident der Landesjägerschaft Niedersachsen abschließend.

Florian Rölfing, LJN, Wulf-Heiner Kummetz

(Foto: Wildgeflüster GbR)

Politik reagiert bereits im Vorfeld

Hintergrund der Demonstration waren die geplanten Änderungen am Niedersächsischen Landesjagdgesetz. Noch in der Vorwoche der Demonstration haben das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium und die regierungstragenden Fraktionen verschiedene Papiere veröffentlicht. Die Uneinigkeit in der Koalition war für aufmerksame Beobachter sichtbar. Am Ende konnte die SPD sich durchsetzen und stellte sich in den meisten Konfliktfragen an die Seite der Jäger. Man erkenne nun an, dass das Ministerium auf die Jägerschaft zugehe. Klar sei aber auch, dass es ohne die Ankündigung der Demonstration und eine breite gesellschaftliche Unterstützung voraussichtlich weder ein Eckpunktepapier aus dem Ministerium noch die klarstellenden Worte der SPD-Fraktion dazu gegeben hätte, so die einhellige Meinung im Präsidium der Landesjägerschaft. 

LJN