Steckholz – Sträucher fürs Revier
Schutz, Deckung und Nahrung sind elementar für Rebhuhn, Feldhase & Co. An solchen Ecken sollte es im klassischen Niederwildrevier nicht mangeln. Jägerin, Baumschulgärtnerin und Agrar-Ingenieurin Anke Fockenberg gibt nützliche Tipps für eine einfache wie effiziente Methode zur Vermehrung von Sträuchern.
Revierinhaber sollten sich fragen, wo im Revier Ecken mit Deckung und Nahrung zu finden sind, wo noch welche entstehen könnten und wie sie die knapp bemessenen Flächen verbessern und gestalten können. Wir Gärtner sind der Ansicht, dass wir in diesem Fall unser streng gehütetes Fachwissen zum Wohle der Natur und der Wildtierpopulation vertrauensvoll an unsere Jagdkollegen weitergeben können. Folgende Gehölze lieben unsere Wildtiere, Vögel und Insekten und sie sind durch sogenanntes „Steckholz“ relativ einfach zu vermehren:
• Rosa canina (Hundsrose)
• Sambucus nigra (Holunder)
• Ligustrum vulgare (Gemeiner Liguster)
• Corylus avellana (Gewöhnliche Haselnuss)
• Salix viminalis (Korbweide)
Wenn ihr ein paar einfache Regeln beachtet und befolgt, werdet ihr es leicht haben, neue Gehölze in euren Revieren ohne viel Aufwand zu etablieren. Man kann sehr gut Jungjäger und Revierkollegen einspannen und einen schönen Tag im Revier verbringen, während im Dutch Oven eine leckere Belohnung schmort. Wenn es Schwierigkeiten bei der Bestimmung der Pflanzen gibt, einfach einen Gärtner fragen. Im Sommer lassen sich die Gehölze einfacher bestimmen und gegebenenfalls für die spätere Verwendung auf dem Handy abspeichern.
Steckholz einfach gemacht
• Passende Sträucher im Revier aufsuchen und die einjährigen, ausgereiften Triebe, die nicht verholzt sind, großzügig abschneiden
• Schnitt des Steckholzes erfolgt von November bis Februar (nicht bei Frost!)
• Länge etwa 20 Zentimeter (Scherenlänge)
• Oberer Schnitt GERADE (geringere Verdunstung) etwa ein Zentimeter über einem Augenpaar (neuer Trieb)
• Das untere Ende etwa einen halben Zentimeter unter einem Augenpaar SCHRÄG abschneiden (größere Kambium-Fläche, bessere Wurzelbildung)
• In 25er- oder 50er-Bündeln BESCHRIFTET kühl, aber frostfrei und lagern, indem man sie halb in sandiger Erde einschlägt (halb eingraben, in einer Kiste beispielsweise unter einer Remise, feucht halten)
• Gesteckt wird dann ab April, wenn keine Frostgefahr mehr besteht
• Der Boden sollte gelockert und bestenfalls mit etwas Kompost versehen sein
• Die Triebe (bitte richtig herum!) werden so tief in den Boden gesteckt, dass nur noch ein Knospenpaar herausschaut und der Rest im Boden ist
Sollte viel Rehwild im Revier sein, macht es Sinn, das frische Steckholz vor Verbiss zu schützen. Folgende Gehölze, die nicht durch Steckholz vermehrbar sind, gehören ebenfalls in ein gutes Biotop:
• Amalanchier lamarkii (Felsenbirne)
• Crataegus monogyna (Weißdorn)
• Prunus spinosa (Schlehe)
• Cornus mas (Kornelkirsche)
In der Praxis werden diese Gehölze, die aus dem Boden gerüttelt werden und sehr trockenheits- und frostempfindlich sind, ausschließlich an Fachleute verkauft, wie beispielsweise an Landschaftsgärtner. Wenn vor Ort erklärt wird, wo die Gehölze gepflanzt werden sollen, machen Baumschulbetriebe für uns Jägerinnen und Jäger wohl eine Ausnahme.
Die Wurzeln dieser Pflanzen dürfen keinesfalls austrocknen oder anfrieren. Diese Ware wird nur gehandelt, wenn sich kein Laub an ihr befindet – also im Herbst nach Laubfall bis Frühjahr.
Da diese Pflanzen im späten Frühjahr unbedingt mit Wasser versorgt werden müssen, empfiehlt sich die Anpflanzung in Revieren auf jeden Fall im Herbst. In unserem Video gibt es weitere Tipps und die einzelnen Schnitte sind anschaulich dargestellt.
Anke Fockenberg