Feldhasen-Monitoring mit Schein-​werfer und Wärmebildkamera

Fahrt im Referenzgebiet – Egbert Strauß über die Schulter geschaut (Foto: Kapuhs/LJN)

Im Sommer und Herbst 2024 hat der überraschende Ausbruch der Myxomatose bei den Hasenbesätzen im westlichen und nördlichen Niedersachsen zu teils dramatischen Verlusten geführt (siehe auch Blattzeit 5/2024). Nur mit standardisierten Zählungen der Frühjahrs- und Herbstbesätze in Referenzgebieten sind die Verlustraten und das Ausmaß dieses Seuchenzuges abzuschätzen und Prognosen für die Zukunft zu stellen.

Hasen im Scheinwerferlicht

Bereits in den 1950er Jahren haben Forscher damit begonnen in der afrikanischen Savanne Wildtiere in der Nacht mit Scheinwerfern zu zählen. In der Schweiz sowie in West- und Ostdeutschland wurde diese Technik in den 1980er Jahren zur Hasenzählung weiterentwickelt. Die Scheinwerfertaxation ist derzeit die zuverlässigste Methode zur Besatzermittlung beim Feldhasen in der offenen Agrarlandschaft und wird in Monitoringprogrammen in vielen Ländern für populationsökologische Untersuchungen eingesetzt.

Feldhasen-Monitoring Niedersachsen: Referenzgebiete

In den 1990er Jahren wurde in Niedersachsen diese Methode in 30 zufällig ausgewählten Revieren zur Überprüfung der Feldhasenbesätze im Rahmen der Wildtiererfassung (WTE) eingeführt. Anfang der 2000er Jahren wurden im Rahmen des bundesweiten Wildtier-Informationssystems der Länder Deutschlands (WILD) in Niedersachsen über 100 Referenzgebiete eingerichtet, von denen aktuell noch 30-40 Referenzgebiete nach dem wissenschaftlichen Standardverfahren die Hasen im Frühjahr und Herbst zählen.

Darüber hinaus erfassen jedes Jahr in Eigenregie rund 2.500 Revierinhaber (ca. 31 %) zusätzlich zu den Abfragen in der WTE ihre Hasenbesätze mit Scheinwerfern oder neuerdings auch mit Wärmebildkameras. Bei standardisierter Durchführung erlauben diese Zählungen einen guten Überblick über den Besatz und können Grundlage für das Jagdmanagement im eigenen Revier sein.

Wissenschaft trifft Praxis: ​Scheinwerfer und Wärmebildkamera

Für ein Feldhasen-Monitoringprogramm, in dem auf landes- oder bundesebene die Hasenbesätze und Entwicklungen der Referenzgebiete in wissenschaftlichen Untersuchungen verglichen werden sollen, ist die Einhaltung der methodischen Vorgaben eine wesentliche Voraussetzung. Hierzu zählen:

•  Ableuchten eines repräsentativen Querschnittes des Revieres

•  gleiche Fahrstrecken im Frühjahr und Herbst

•  vergleichbare Scheinwerfer (12V, 55 W H4) oder Wärmebildkameras

• Zählwiederholungen in der Saison

•  kontinuierliche Erfassung

(Quelle: WTE)

Zählen mit dem Scheinwerfer

In den Referenzgebieten werden Revier- und Taxationsflächen vom WTE-Team in Zusammenarbeit mit dem Revierinhaber festgelegt und digital erfasst. Über die in Feldversuchen ermittelte effektive Leuchtweite der vorgegebenen Scheinwerfer von 150 Meter wird die Taxationsfläche bestimmt, aus der dann der Hasenbesatz/100 ha berechnet wird. Leuchtstärkere Scheinwerfer oder LED-Scheinwerfer verbessern dabei nicht die Zählgenauigkeit. Die effektive Leuchtweite ist ein Schlüsselfaktor für die Berechnung der Hasenbesatzdichte. Aus Feldversuchen wissen wir, dass die übersehenen Hasen bis 150 m durch entdeckte Hasen über 150m (max. bis 230m) ausgeglichen werden. Daher sind die 150m eine fiktive Grenzline, die zur Bestimmung der Taxationsfläche notwendig ist.

Zählen mit der Wärmebildkamera

Anhand von Feldversuchen wurde eine effektive Detektionsweite für Wäremebildkameras bestimmt (300m), um so die Detektionsfläche und daraus die Hasenbesätze berechnen zu können. Diese Fläche ist doppelt so groß und es werden demnach mehr Hasen erfasst. Die daraus resultierenden Besatzdichten pro 100 ha decken sich aber mit denen der Scheinwerferzählung.

Sichtbegrenzungen durch Gehölze, Hecken, hochbewachsene Gräben etc. müssen erfasst und bei der Berechnung der Detektionsfläche berücksichtigt werden. Bei zunehmender Entfernung ist die Arterkennung sehr schwierig. Lediglich spezifische Bewegungsmuster lassen hier noch eine Artbestimmung zu.

Wir möchten uns an dieser Stelle bei allen Revierinhabern bedanken die sich in der Vergangenheit und aktuell am Feldhasen-Monitoring und der WTE beteiligt haben. 

 Egbert Strauß