„Die Jagd ist nur ​so gut wie Ihr Hund“

Hellwinkel ist mehrfacher Hegewaldsieger und erfolgreicher Hundezüchter (Foto: Kapuhs/LJN)

Ein Interview mit Hermann Hellwinkel über die geplanten ​Änderungen im Niedersächsischen Jagdgesetz und die Auswirkungen auf die Jagdhundausbildung.


An einem kalten Januarmorgen treffen wir Hermann Hellwinkel auf seinem idyllischen Anwesen in Bassel bei Soltau. Der renommierte Züchter und Trainer von Jagdgebrauchshunden – Deutsch-Drahthaar, Parson-Russell-Terrier und Bracken – widmet sein Leben der Ausbildung und Zucht verlässlicher Jagdhelfer. Als viermaliger Gewinner der Hegewald-Zuchtprüfung, bei der jährlich die besten Deutsch-Drahthaar geprüft werden, gilt Hellwinkel als führender Experte seines Fachs. Wir sprechen heute mit ihm über die Bedeutung einer fundierten Jagdhundeausbildung und die kürzlich entschärfte Diskussion um das Niedersächsische Jagdgesetz.

BLATTZEIT:Herr Hellwinkel, in den letzten Monaten sorgte die geplante Novellierung des Niedersächsischen Jagdgesetzes für große Aufregung unter Jägern und Hundeführern. Wie haben Sie die Diskussion erlebt?

Hermann Hellwinkel: Die Diskussion hat uns alle stark beschäftigt, denn die ursprünglich vorgeschlagenen Änderungen hätten einen Kernbereich der Jagdhundeausbildung stark eingeschränkt. Es ging dabei vor allem um das Verbot der Arbeit mit lebenden Tieren, wie etwa der Haltung von Stockenten für die Schwimmspur-Ausbildung, zahmen Füchsen für die Arbeit in der Schliefenanlage oder Schwarzwild in Gattern. Glücklicherweise gibt es neue Veröffentlichungen zur Gesetzesänderung, welche zumindest in diesen Punkten entschärft wurde – ein wichtiges Signal für das Jagdgebrauchshundewesen.

Warum sind diese ​Ausbildungsmethoden Ihrer ​Meinung nach unverzichtbar?

Jeder erfahrene Hundeführer weiß, dass wir nur durch gezielte Ausbildung und Prüfungen die Eignung eines Hundes für die Jagd sicherstellen können. Unsere Hunde wurden über Generationen auf Eigenschaften wie Wildschärfe, Finderwille und Wasserfreude gezüchtet. Ohne die Möglichkeit, diese Fähigkeiten unter realistischen Bedingungen zu trainieren und zu prüfen, könnten wir die Qualität unserer Zucht nicht halten. In wenigen Generationen wäre diese Arbeit zunichte.

Welche Auswirkungen hätte ​das auf die Jagd allgemein?

Eine tierschutzgerechte Jagd ist ohne gut ausgebildete Hunde nicht möglich. Wir Jäger haben die Verantwortung, verwundetes Wild schnell zu finden und zu erlösen. Hunde, die nicht gezielt trainiert wurden, können das nicht leisten. Sie müssen in der Lage sein, Schalenwild zu binden oder Niederwild zu bringen. Ohne diese Fähigkeiten könnten Fehler auf der Jagd nicht mehr korrigiert werden, was zu vermeidbarem Tierleid führen würde.

Einige Befürworter der Gesetzesänderung hatten argumentiert, dass junge Hunde von erfahrenen Tieren lernen könnten. Was sagen Sie dazu?

Das ist ein gefährlicher Irrglaube. Jagdhunde sind triebgesteuert, wenn es um Beute geht. Wenn zwei Hunde gleichzeitig an einem Stück Wild arbeiten und der junge Hund seine Aufgabe nicht kennt, kann das katastrophal enden. Im besten Fall wird der junge Hund passiv und lernt nichts. Im schlimmsten Fall kommt es zu Kämpfen um die Beute, bei denen sich die Hunde verletzen und das Wild nicht tierschutzgerecht erlöst wird. Das ist untragbar – für uns als Jäger und für die Tiere.

Gab es bei der Diskussion um ​Alternativen zur Arbeit mit ​lebenden Tieren Ansätze, ​die Sie für sinnvoll halten?

Nein, für das artspezifische Verhalten gibt es keine realistischen Alternativen. Wir haben uns in der Jagdhundeausbildung über die Jahre stark weiterentwickelt und viele gesellschaftliche Anforderungen integriert. Aber Instinkte und Verhaltensweisen von Wildtieren lassen sich nicht simulieren. Die Jagd lebt davon, dass wir mit der Natur und ihren Unwägbarkeiten umgehen. Wir können technologische Fortschritte nutzen, aber die natürlichen Instinkte der Tiere bleiben für uns unergründlich – und das macht die Jagd so besonders.

Wie sehen Sie die Zukunft der Jagdhundeausbildung in Niedersachsen?

Ich bin optimistisch, dass ein großer Teil der politischen Entscheidungsträger die Bedeutung unserer Arbeit erkannt hat. Die breite Ablehnung der geplanten Änderungen zeigt, dass die Jagd und die Jagdhundeausbildung einen hohen Stellenwert haben. Wir Hundeführer leisten einen wichtigen Beitrag zur tierschutzgerechten Jagd, und ich hoffe inständig, dass wir weiterhin die Rahmenbedingungen haben, um unsere Hunde verantwortungsvoll auszubilden.

Abschließend: Was möchten ​Sie Jägerinnen und Jägern mit ​auf den Weg geben?

Die Diskussion hat gezeigt, wie wichtig es ist, gemeinsam für unsere Werte einzutreten und unsere Anliegen sachlich und fundiert zu vertreten. Nur durch eine fundierte Jagdhundeausbildung können wir unseren hohen Ansprüchen an eine tierschutzgerechte Jagd gerecht werden. Wir alle tragen Verantwortung – nicht nur für unsere Hunde, sondern auch für die Wildtiere, die wir bejagen.

Wir danken Hermann Hellwinkel für das offene und aufschlussreiche Gespräch und wünschen ihm weiterhin viel Erfolg bei seiner wichtigen Arbeit.

 Elfi Johannmeyer