Zwei Brüder – eine Passion

Foto: Kapuhs/LJN

Zehn Minuten trennen die Zwillinge bei der Geburt – in ihrer Passion für die Raubwildjagd stehen sie sich jedoch in nichts nach. Jürgen und Dieter Eilers jagen mit viel Hingabe und Hirnschmalz auf Fuchs, Dachs und Co. Wir haben die beiden Jäger aus der Gemeinde Apen zum Interview getroffen. Beide sind 42 Jahre alt, ihren Jagdschein haben sie im Jahr 2000, also mit 17 Jahren, absolviert. 

Erzählt doch mal, wann in eurem Jagdleben hat euch die Passion fürs Raubwild gepackt?

Dieter: Unser Vater hat uns schon mit fünf, sechs Jahren zur Bockjagd mitgenommen oder wir waren gemeinsam auf Enten- oder Taubenjagd. Wir hatten das Glück, in wildreichen Revieren groß zu werden, große Hasenstrecken waren dabei keine Seltenheit. Das schnelle, bewegte Schießen mit der Flinte fanden wir dabei besonders faszinierend. Natürlich haben wir viel von unserem Vater gelernt, so auch die sommerliche Bejagung der Jungfüchse. Mit 17 Jahren, dem Jagdschein in der Tasche und der eigenen Flinte über der Schulter, haben wir angefangen, uns an Kornstoppeln anzustellen, um mit Schrot auf Jungfüchse zu waidwerken. 

Jürgen: In unserem ersten jagdlichen Winter galt es dann, einen reifen Winterbalg zu bekommen. Auf einer offenen Leiter bei –12 Grad Celsius saß ich so erstmals in schneebedeckter Landschaft, bei bestem Licht. Reineke lief mir dabei fast über die Füße, doch der Jagderfolg ließ noch einige Ansitze auf sich warten. Für einen guten Balg sollte es mit der Flinte klappen, die Schussentfernung war somit überschaubar. Ich glaube, beim siebten Ansitz konnte ich den starken Rüden schon von weitem auf mich zuschnüren sehen. 8,5 kg hatte dieser, den mir ein Präparator anschließend gerbte – ein Schlüsselmoment. 

Dieter: Richtig intensiviert haben wir die Raubwildjagd, als wir in den frühen 2000er Jahren die ersten Einbrüche beim Niederwild festgestellt haben. 

Das Interesse war geweckt und groß – wie habt ihr euch fortan spezialisiert?

Jürgen: Durch unsere intensive Fuchsjagd im väterlichen Revier kamen dann schon mal 20 bis 22 Füchse, wohlgemerkt ohne Technik, pro Jagdjahr zusammen. Dabei haben wir bereits einige Stellen angeludert, haben uns an Zwangswechseln, wie an einem Bahndamm oder einem Wasserlauf angesetzt – ganz einfach mit Hocker und ohne viel Schnickschnack. Wir haben viel experimentiert und uns an interessanten Stellen auch einfach mal eine Weile angestellt. Wenn von 19 bis 22 Uhr nix los war, haben wir es am Folgetag etwas später in der zweiten Nachthälfte versucht. Die Jagd war natürlich immer vom Mond und vom Wind abhängig. 

Dieter: Weiterhin gilt es, geeignete Stellen für Luderplätze zu finden. Pro 150 ha haben wir aktuell eine Luderstelle. Diese liegen nicht im Kern, sondern eher am Rande der Reviere. Davon profitieren auch die umliegenden Reviere. 

Über was für Zahlen reden wir denn? 

Jürgen: Wir jagen aktiv in drei Revieren, also auf einer Fläche von etwa 2000 ha. In einem erfolgreichen Jahr erlegen wir zusammen etwa 80 bis 90 Stück Raubwild. So hatten wir zuletzt 56 Füchse und noch einige Marder und Dachse, alle mit Flinte oder Büchse erlegt. Bei vielen Ansitzen gehen wir natürlich auch leer aus. Aber es gibt immer wieder Momente, in denen alles passt. Im Sommer konnte ich so in 20 Minuten zwei Jungdachse und drei Jungfüchse erlegen. 

Dieter: Zweidrittel der Strecke machen wir dabei im Sommer, den Rest im Winter. Im Schnitt sitzen wir drei Tage pro Woche an. Dabei wechseln wir uns auf Ansitzen mitunter ab. Bedeutet, wenn ein Luderplatz grundsätzlich gut angenommen, aber das Wild unstet ist, sitzt Jürgen mal bis null Uhr und ich dann weiter bis früh um vier Uhr. Auch neulich haben wir es so gehandhabt; Jürgen hatte wiederholt keinen Anblick und war noch nicht zu Hause angekommen, da hatte ich schon zwei Füchse liegen. 

Neben dem Ansitz reizen auch Bau- und Fangjagd, um Reinecke & Co auf die Schliche zu kommen – wie intensiv praktiziert ihr auch andere Jagdarten?

Jürgen: Beiläufig haben wir natürlich auch an Baujagden teilgenommen, aber unsere eigentliche Passion ist der Ansitz und die Pirsch, in denen wir uns immer weiter spezialisieren möchten. 

Dieter: Es gibt für uns keine spannendere Jagd als die Raubwildjagd. Es ist viel Geduld, aber auch Können gefragt. Es ist schwieriger, einen Fuchs zu überlisten als den bestätigten Maibock. 

Früher haben wir auch einige Kofferfallen aufgestellt und andere Jagdkollegen nutzen gerne Betonrohrfallen. Am Ende macht es die Mischung. Meines Erachtens kann man einen Fuchs besser schießen als fangen, einen Marder eher besser fangen als schießen. 

Wann jagt ihr besonders aktiv auf Fuchs & Co.?

Jürgen: Die effektivste Zeit ist der Februar. Es gilt, die Standfähen zu bekommen – nach diesem Monat ziehen vorerst keine Fähen mehr nach und somit wird es auch kein Geheck im Revier geben. 

Dieter: Alle auszurotten ist dabei nicht unser Ziel – Füchse erfüllen auch wichtige Aufgaben, holen krankes Wild schneller weg und vermeiden somit weitere Ansteckungen.

Wie schnell zeigen sich die Auswirkungen der intensiven Raubwildjagd in Bezug auf das Niederwild im Revier?

Dieter: Es dauert schon zwei Jahre, ehe man Auswirkungen feststellt. Es ist also Geduld gefragt, bei uns zeigt es sich am ehesten am Feldhasen. Aber natürlich, weil wir diese häufig vom Ansitz aus sehen und wir Zu- oder Abnahmen direkt mitbekommen. Beispielsweise die Myxomatose haben wir glücklicherweise nicht hier. Der Hasenbestand ist stabil auf einem hohen Niveau. 

Bedeutet moderne Technik auch automatisch mehr Strecke?

Dieter: Nein, denn das Verständnis für die Jagd grundsätzlich muss passen. Natürlich helfen die Geräte super beim Beobachten und Ansprechen. Entscheidend ist am Ende aber die Strategie und der geschulte Umgang mit Flinte und Büchse. 

Habt ihr auch mal Meinungsverschiedenheiten, was den Ansitz oder die Strategie anbelangt?

*Gelächter 

Dieter: Nein!

Jürgen: Also was die Strategien in Bezug auf Ansitz, Luder, Zeit oder Wind anbelangt, sind wir uns schon immer einig. Natürlich haben wir unter Geschwistern einen gewissen Ehrgeiz und Konkurrenzkampf. Und manchmal hat der eine Pech und der andere einen Lauf –aber das gibt keinen Streit, sondern eher einen beiläufigen Spruch. 

Stichwort Verwertung - Was passiert nach der Erlegung? 

Jürgen: Bezüglich der Verwertung sind wir gerne offen für neue Ideen. Natürlich balgen wir auch Füchse ab und lassen sie gerben oder nutzen sie für die Jagdhundeausbildung. Aber da wäre sicher noch mehr möglich. 

Infos zur Ansitzjagd am Luderplatz

  • Wer mit Wildkameras arbeitet und überrascht ist, warum am Luderplatz nix los ist: Die Kamera direkt am Luderplatz ist nicht unbedingt zielführend. Gegebenenfalls kann eine zweite Luderstelle 30m entfernt angelegt werden, falls der erfahrene Fuchs die Kamera scheut. 
  • Schlechtes Wetter ist kein schlechtes Fuchswetter. Beispielsweise bei starkem Wind und viel Regen, wenn es schwer ist Beute zu machen, ist der Luderplatz immer frisch gedeckt. Also leichte und schnelle Beute!
  • Den Fuchs zur Kontrolle des Luderplatzes bringen. Gewohnheit schaffen (eine Person pro Luderplatz), aber auch mal später am Abend ludern oder zu unterschiedlichen Zeiten. Immer gegen den Wind an die Luderstelle gehen. Wir beschicken mindestens dreimal die Woche den Luderplatz.
  • Immer ins Freie ludern, Schussfeld verschaffen. Nicht an Grabenkanten oder bei Hindernissen – hier kann Reineke das Luder aufnehmen und schnell wieder verschwinden.
  • Ludern – besser mehrere Stellen und kleinere Brocken. Abgepackter Aufbruch und Fallwild hierfür in kleinen Portionen einfrieren. Ganze Decken oder ein Hasenbalg haben zwar hohe Lockwirkung, aber werden zumeist vom Fuchs verschleppt und anderes Wild wie Krähen werden darauf ebenfalls aufmerksam. Die kleinen Luderbrocken immer eingraben – keine Sorge, Reineke hat eine gute Nase. 
  • Die beste Zeit für den Fuchsansitz am Luderplatz ist, wenn angetauter Schnee wieder überfriert. Der Fuchs ist nun nicht mehr lautlos unterwegs, er kommt nicht mehr so einfach an seine Beutetiere.Absprachen im Revier mit den Mitjägern sind sehr wichtig. Wenn der unerfahrene Jungjäger beispielsweise bei falschem Wind sitzt, jagt man Reineke mitunter schlau.Wenn der Fuchs dich einmal spitz bekommen hat, dann holt er sich künftig Wind, schnürt großräumig um die Luderstelle und den Ansitz und die Jagd wird deutlich schwerer. 

Interview - Sebastian Kapuhs