Myxomatose beim Feldhasen
Erste Ergebnisse der Umfrage zur Verbreitung in Niedersachsen
Seit dem Ausbruch der Myxomatose beim Feldhasen in Wesel, Nordrhein-Westfalen, Mitte August 2024, wurden auch in Niedersachsen vermehrt Fälle dieser Viruserkrankung festgestellt. Die Myxomatose ist eine hoch ansteckende Krankheit, die durch das Myxoma-Virus verursacht wird und vor allem Kaninchen und jetzt durch einen in Deutschland neu auftretenden Virusstamm auch Feldhasen betrifft. Sie führt zu schweren Symptomen wie Schwellungen der Schleimhäute, Hautveränderungen und oft zum Tod der betroffenen Tiere.
Aus diesem Grund startete das Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover in Kooperation mit der Landesjägerschaft Niedersachsen e.V. Anfang November eine Online-Umfrage. Ziel dieser Umfrage ist es, das Seuchengeschehen in Niedersachsen besser nachvollziehen zu können und fundierte Daten zur Verbreitung der Myxomatose zu sammeln.
Zudem wurden die Revierinhaber aufgerufen, verdächtige Hasen mit erkennbaren Symptomen zur Untersuchung an die jeweiligen Kreisveterinärämter oder die Stellen des LAVES in Oldenburg und Hannover zu senden. Diese Untersuchungen sind entscheidend, um die Verdachtsfälle zu bestätigen und die Ausbreitung der Erkrankung von Beginn an zu dokumentieren. Die Zusammenarbeit zwischen den Jägern, den Veterinärämtern und den Forschungseinrichtungen ist dabei von zentraler Bedeutung.
Bis zum 20. November 2024 haben sich rund 2000 Reviere aus fast allen Jägerschaften in Niedersachsen an der Umfrage beteiligt und ihre Beobachtungen übermittelt. Besonders hohe Beteiligungsraten von über 50 % der Reviere wurden in den Jägerschaften Aurich, Emden, Lingen und Osnabrück-Land erreicht.
Hasen mit Symptomen in 217 Revieren
Ein zentraler Punkt der Umfrage war, ob Feldhasen mit Symptomen der Myxomatose, sowohl lebend als auch tot, im eigenen Revier beobachtet wurden. Positive Meldungen kamen aus insgesamt 14 Jägerschaften. Aus weiteren 9 Jägerschaften wurde jeweils ein Fall von Myxomatose gemeldet (siehe Karte). Diese Angaben wurden jedoch vorerst als „Unklar“ eingestuft, da zum Redaktionsschluss keine veterinärmedizinischen Untersuchungsergebnisse vorlagen. Insgesamt wurden in 113 Revieren lebende und in 104 Revieren tote Tiere mit Symptomen beobachtet, die meisten Nachweise stammen dabei aus den Jägerschaften Lingen, Meppen und der Grafschaft Bentheim. Allein in diesen drei Jägerschaften wurden in 89 Revieren lebende und in 67 Revieren tote Feldhasen mit typischen Symptomen gemeldet. Insgesamt konnten bereits 620 tote Hasen mit klar erkennbaren Symptomen erfasst werden. Die ersten Verdachtsfälle wurden bereits Anfang September in den derzeit stark betroffenen Jägerschaften registriert.
Nach derzeitigem Wissensstand wird das Virus überwiegend durch Stechmücken verbreitet. Da diese Insekten besonders im Sommer aktiv sind, ist aufgrund der sinkenden Temperaturen davon auszugehen, dass sich die Ausbreitung des Virus infolge der geringeren Mückenaktivität vorerst verlangsamt oder ganz zum Erliegen kommt.
Wie groß der Einfluss dieser Krankheit auf die derzeitige Hasenpopulation in Niedersachsen ist und welche Auswirkungen sie mit sich bringt, muss weiter beobachtet werden. Ab 2025 werden dazu Untersuchungen durch das ITAW durchgeführt. Wir möchten alle Revierpächter und Mitjäger dazu anhalten, sich an die Handlungsempfehlungen der Landesjägerschaft Niedersachsen e.V. zu halten.
Christoph Reichler/ Dr. Ulrich Voigt