Die Bläsergruppe „Von der Wurster Marsch Kitze“ Mit Freude musizieren

Foto: Kapuhs/LJN

Ute Marx ist mit ihrer Bläsergruppe „Wurster Marsch Kitze“ ​ein Inbegriff für das jagdliche Brauchtum. Seit mehr als ​25 Jahren bildet sie in ihrer ​Jägerschaft Jagdhornbläser aus, speziell die Kitze seit vier Jahren. "Eine Jagd mit Klängen aus dem Handy – für mich unvorstellbar! Die Kinder sind unsere Zukunft. Wenn wir es nicht den Kindern beibringen, wird es aussterben. Das Horn gehört zur Jagd wie der Jagdhund.“ Auf dem letztjährigen Landeswettbewerb in Springe überzeugte die Jugend-Gruppe mit starker Leistung und einem hervorragenden ersten Platz in der C-Wertung. Darüber hinaus erlangte Marx wiederholt mit ihren Gruppen in der Leistungsklasse A eine ausgezeichnete Platzierung. Blattzeit-Redakteur Kapuhs war bei einer Übungsstunde direkt hinterm Deich dabei.

BLATTZEIT: In unserem Telefonat vor ein paar Tagen waren Sie auf einer Expedition auf der Nordsee. Das klingt sehr spannend, was machen Sie denn beruflich?

Ute Marx: Ich bin biologisch-technische Assistentin am Alfred-Wegener-Institut (AWI) und erforsche mit meinem Team Verschmutzungszustände und deren biologische Reaktionen in Nord- und Ostsee sowie in der südlichen Polarregion.

Das klingt sehr interessant. Wie passt das Musizieren zur wissenschaftlichen Arbeit?

In meinem Beruf dreht sich alles um die Ökologie, die Wechselbeziehung zwischen den Lebewesen und ihrer Umwelt, da passt die Jagd und somit das Jagdhorn unweigerlich dazu. Ich bin die Tochter eines Försters und wurde bereits mit drei Jahren an das Jagdhornblasen herangeführt.

Wie ich aus einer Nordsee-Reportage erfuhr, haben Sie auf Ihren Expeditionen das Jagdhorn stets dabei. Wie kommt das bei den Kollegen an?

Inzwischen sind sie es gewohnt (*lacht). Der Betrieb sollte natürlich nicht gestört werden, aber mittlerweile ist das mein Markenzeichen – morgens, abends oder speziell beim Ab- und Anlegemanöver blase ich „Auf Wiedersehen“ oder die „Begrüßung“.

Im vergangenen Jahr haben Sie den Landeswettbewerb in der Wertungsklasse C mit 962 Punkten gewonnen. Jugendgruppen befinden sich vermutlich in einer permanenten Fluktuation, wie schafft man es, die jungen Bläserinnen und Bläser trotz wechselnder Interessen in so kurzer Zeit zu einer stetigen sowie kreativen Einheit zu formen?

Viel ist abhängig von den Eltern. Die Fahrten zum Training oder zu Wettbewerben bzw. allgemein die Unterstützung der Kinder bei ihrem Hobby, dies alles muss von den Eltern getragen werden. Darüber hinaus muss das Jagdhornblasen Spaß machen. Hierfür braucht es mitunter etwas Kreativität, abwechslungsreiche Übungsorte, Motivation und ein spielerisches Herangehen. So unternehmen wir beispielsweise vielfältige Exkursionen, spannende, gruppeninterne Spiele und Übernachtungen im Freien, natürlich immer mit Jagdhorn. Auftritte vor großem Publikum üben zudem bei Nervosität und als Vorbereitung auf Wettkämpfe.

Die fünfjährige Maria ist seit einem halben Jahr regelmäßig bei den Übungsstunden dabei (Foto: Kapuhs/LJN)

Was unterscheidet Erwachsenen-Bläsergruppen von Kinder- und Jugendgruppen? Wer ist aufmerksamer und lernwilliger? Müssen die Erwachsenen oder die Kinder eher nachsitzen?

Erwachsene sind viel verkopfter. Kinder hingegen machen es einfach, nehmen alles nicht so ernst – das macht das Üben und auch Wettbewerbe viel einfacher. Bei Kindergruppen kann ich auch mal was Verrücktes probieren, um das Lernen zu erleichtern. Erwachsene zu einem Wettrennen mit Horn um einen Teich zu bewegen, ist da deutlich schwieriger.

Wie wecken Sie das Interesse insbesondere bei den Jugendlichen und Kindern?

Seit über 25 Jahren besteht unsere Gruppe „Von der Wurster Marsch“, natürlich mit Höhen und Tiefen in der Beteiligung. Aber: Erfolg macht sexy! Durch Auftritte, Events und Wettbewerbe stellt sich der ein oder andere Erfolg ein – das bringt allen Beteiligten Freude und spricht sich natürlich rum. Zudem: Kinder kommen über Kinder dazu – wie erreichen über die in den Jägerschaften organisierten Veranstaltungen, wie die Ferienpassaktion, weitere Interessierte für das Jagdhornblasen.

Einen Tipp bitte noch für Unentschlossene: Warum JETZT mit dem Jagdhornblasen anfangen?

Worauf warten? Das Jagdhornblasen gehört zur Jagd unabdingbar dazu. Es gibt nichts Schöneres, als dem selbst erlegten Stück Wild mit dem entsprechenden Totsignal die letzte Ehre zu erweisen. Und wer mehr will als alleine zu blasen, kann sich natürlich langfristig einer Bläsergruppe anschließen. Denn das Horn ist ein Bindeglied zwischen jagender und nichtjagender Gesellschaft. Musik berührt und weckt Emotionen. Will man die Jagd erklären, so bringt nicht der Schuss, wohl aber das Horn einen fesselnden, eindrucksvollen Klang!

Jede Übungsstunde beginnt Marx mit einer Begrüßungsrunde. Hockend in einem Kreis kommen sie zusammen. Wie sie sich gerade fühlen und was sie am heutigen Tag gerne üben möchten, fragt die Trainerin. Redakteur Kapuhs nutzt die Zeit und fragt Ella, Josh und Viviane:

„Wie findet ihr denn eure Trainerin?“

Anfangs wussten wir nicht, was wir von Ute halten sollen. Aber schon nach den ersten Übungsstunden merkten wir, was sie alles möglich macht und wie viel Zeit sie sich für uns nimmt. Das Training ist so abwechslungsreich und macht sehr viel Spaß. Wir können uns keine bessere Trainerin vorstellen!“


Die Ansprechpartner für das Jagdhornblasen der Jägerschaft Wesermünde-Bremerhaven finden Sie HIER.

Sebastian Kapuhs