Jägerschaft Seesen organisiert weiteren Lehrgang zum Obstbaumschnitt
Großes Interesse an einer bedarfsgerechten Weiterbildung zeichnete sich ab.
Die Jägerschaft Seesen e. V. als anerkannter Naturschutzverband , hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Eigentümer , die mit Unterstützung des Obmanns für Naturschutz , Ulrich Stolzenburg und mit finanzieller Förderung durch die untere Naturschutzbehörde beim Landkreis Goslar in den letzten 2 Jahren eine Streuobstwiese erhalten haben, weiter zu begleiten. Die Eigentümer der Streuobstwiesen haben sich verpflichtet auf Grund der Förderung ihre Streuobstwiesen zu unterhalten und gerade in den ersten 5 Jahren die äußerst wichtigen Erziehungsschnitte auch durchzuführen.
Es zeigt sich aber auch, dass es neben diesem Adressatenkreis es offensichtlich eine Vielzahl von Interessenten gibt die einen Bedarf in Bezug auf eine fachgerechte Unterweisung zum Obstbaumschnitt haben. Dabei sind es hier nicht immer gleich die Bäume einer Streuobstwiese sondern vielmehr die Obstbäume im eigenen Garten.
Begrüßen konnte der Obmann für Naturschutz der Jägerschaft Seesen, Ulrich Stolzenburg, in Neuwallmoden im Sportlerheim dann 20 Teilnehmer.
Wie auch schon 2023 konnte der schon vielen persönlich bekannte Gärtnermeister Holger Ernst aus Salzgitter als Referent für den Lehrgang mit Theorie und Praxis gewonnen werden.
In einem Theorie-Block hatte Holger Ernst sehr anschaulich und für alle verständlich mal die Evolution der Obstbäume ,insbesondere der Apfelbäume dargestellt. Hier einige wichtige Aussagen von ihm: Die Quitte ist die älteste Obstsorte. Sie gab es schon 6000 vor Christus. Die Römer haben vor 2000 Jahren die Äpfel veredelt . Erst 1700 entwickele sich eine Sortensystematik. Ab 1900 gibt es die alten Sorten und nach dem 2. Weltkrieg die neuen Sorten. Sortenreine Apfelbäume können nicht durch Samen (generative Vermehrung) gezogen werden . Vielmehr müssen alle Sorten gepfropft werden ( vegetative Vermehrung ) Man kennt heute über 25.000 Apfelsorten in der Welt, so etwa 5.000 Apfelsorten in Deutschland.
Die Veredlung erfolgt auf Unterlagen. Hier geht es darum Organteile von Edelsorten auf entsprechende Unterlagen des Kern- und Steinobstes, die aus spezialisierten Unterlagenbaumschulen stammen, erfolgreich zu übertragen. Die Veredlungsunterlage überträgt bestimmte Eigenschaften auf die Edelsorte. Bei den z.B. hochstämmigen „ Alten Sorten“ (Stamm 180 cm) sind es starkwüchsige Unterlagen..Beim Kauf von Obstbäumen sollte stets darauf geachtet und hinterfragt werden auf welche Unterlage die Edelsorte gesetzt wurde. Obstbäume sind Kulturbäume und müssen geschnitten und gepflegt werden. Es ist eine Biodiversität in den Streuobstwiesen zu erhalten.
Nach dem Theorie-Block ging es dann in eine Streuobstwiese von Gärtnermeister Holger Ernst in Neuwallmoden , die vor 20 Jahren angelegt wurde.
Zum Einstieg wurden verschiedene Formen von Sägen, Scheren und Leitern vorgestellt, die für den Obstbaumschnit in Frage kommen.
Bei den vorgefunden Obstbäumen der Sorte „ Boskop“ in der Streuobstwiese ging es darum einen Erziehungs- bzw. Erhaltungschnitt zu führen. Der Erziehungsschnitt sorgt dafür, dass der Obstbaum eine breite, gleichmäßige Krone entwickelt. Der Baum wird auf „Saftwaage“ geschnitten. Dabei ist der Mittelleittrieb als Stammverlängerung etwas länger als die Seitentriebe. Dieser ist dauerhaft für die Stabilität des Baumes verantwortlich. 3 - 5 Seitenleittriebe sorgen für eine gleichmäßige Entwicklung in alle Richtungen. Ziel sollte eine Pyramiden-Krone sein. Konkurrenztriebe werden entfernt und Triebe eingekürzt.
Durch den Erziehungs- bzw. Erhaltungsschnitt treibt der Obstbaum im nächsten Jahr stark aus. Wasserschosse (steil nach oben wachsende Jahrestriebe) können sich in großer Anzahl bilden und müssen reduziert werden.
Die Obstbaumschnitte sorgen für gleichmäßig guten Ertrag, gute Fruchtqualität und den Aufbau eines stabilen Kronengerüstes. Der Schnitt beugt außerdem Pilzkrankheiten wie Schorf oder Mehltau vor, weil die Blätter in der ausgelichteten Krone schneller abtrocknen. Auch die Qualität der Früchte verbessert sich. Es kommt mehr Sonne an die Früchte, damit verfärben sich die Früchte und bekommen ihren guten Geschmack .
Resümee des Lehrganges : Es war eine hervorragende Einführung für alle Teilnehmer wobei insbesondere in zwei Stunden in vier Gruppen unter weiterer Anleitung von Gärtnermeister Holger Ernst die Obstbaumschnitte auch fachgerecht ausgeführt werden konnten. Nun liegt es bei jedem Teilnehmer das Erlernte zuhause auch um zu setzen.
Als Themen für einen Aufbaulehrgang könnte man sich unter anderem Auslichtungsschnitt und Erziehungsschnitt gut vorstellen. Die Jägerschaft Seesen wird auch künftig Angebote zum Thema Obstbaumschnitt machen und möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass Streuobstwiesen ein wichtiges Kulturgut und ein Beitrag zum Erhalt der Biodiversität sind, man schützt damit Pflanzen, Tiere und Natur.
Streuobstwiesen liefern in erster Linie köstliches Obst, doch es steckt noch viel mehr hinter dieser traditionellen Anbaumethode. Wer den Platz übrig hat und Interesse an einem langfristigen Naturschutz- Projekt , wer Spaß am eigenem Obstanbau und Sinn für ökologischem Landbau hat, für den ist das Anlegen einer Streuobstwiese ein lohendes Projekt.
Die Jägerschaft Seesen könnte mit den Interssenten zusammen solch ein Projekt auf den Weg bringen und berät hier auch hinsichtlich einer finanzieller Förderungsmöglichkeiten. Den Kontakt zur Jägerschaft erhält man über die Homepage der Jägerschaft Seesen e. V., hier wäre an zusprechen der Naturschutzobmann Ulrich Stolzenburg.
Hans Ulrich Stolzenburg