Steinkauz-Projekt der Superlative
Gelebter Naturschutz in der Jägerschaft Aurich
Der Bundesjägertag in Mainz liegt nur eine kurze Zeit zurück, als das Redaktions-Team der BLATTZEIT zu Gast ist bei der Jägerschaft Aurich. Dabei ging es nur indirekt um die Auszeichnung, die der Jägerschaftsvorsitzende Gernold Lengert für das Projekt „Jäger pflanzen Vielfalt“, stellvertretend für unzählige Ehrenamtler aus seiner Jägerschaft, dort entgegengenommen hatte. Auf über 100 Hektar wurden in den vergangenen Jahren weit über 12.000 Obstbäume in Form gewann die Jägerschaft Aurich nicht nur besagten Wettbewerb, sondern genau diese Streuobstwiesen bilden nun die Grundlage für ein neues Projekt, das die Steinkauz-Projekt der Superlative Gernold Lengert mit einem Steinkauz aus dem Aufzuchtprogramm Auricher Jäger im Jahr 2022 auf den Weg gebracht haben.
In der Region um Aurich sind die letzten Brutpaare des Steinkauzes im harten Winter 1978/1979 aufgrund der damaligen Schneesituation ausgestorben. Ideales Habitat waren schon damals Streuobstwiesen, die den Menschen in früheren Jahrhunderten auch als Nahrungsgrundlage halfen. Die Symbiose Obstbäume, Schafe unter den Bäumen, die das Grünland kurz halten, und ein ausgeglichener Ökohaushalt bilden damals wie heute ein perfektes Zuhause für den Steinkauz. Und so hat die Jägerschaft Aurich als logische Konsequenz das Thema Wiedereinbürgerung des Steinkauzes und damit das „Projekt Steinkauz“ auf den Weg gebracht. „Die Streuobstwiesen haben wir bereits, was lag da näher, als dass wir uns jetzt um den Steinkauz kümmern“, sagt Gernold Lengert. Mit unzähligen Freiwilligen wurden seit 2022 insgesamt acht feste und drei mobile Volieren in den Bereichen der Streuobstwiesen errichtet, in denen seit 2023 Steinkauze erfolgreich gezüchtet und ausgewildert werden.
Die Brutpaare kommen aus ganz Deutschland. Am Ende der Zuchtsaison steht, nach erfolgter Beringung, die Wiederauswilderung an. Dabei werden die Volieren geöffnet, die jungen Steinkauze können dann, gemeinsam mit den Elternvögeln, in die freie Wildbahn fliegen. Matthias Bergmann, ebenfalls Mitglied der Jägerschaft Aurich, betreut hauptverantwortlich das Projekt und hat eine Steinkauzvoliere quasi im hinteren Teil seines Gartens. Die Rede ist von einer rund vier Hektar großen Streuobstwiese, die liebevoll eingebettet ist in die ostfriesische Landschaft. „Schon vergangenes Jahr hatten wir einen beachtlichen Bruterfolg, und tatsächlich haben die ersten ausgewilderten Vögel aus dem Jahr 2023 bereits in diesem Jahr im direkten Auswilderungs-Umkreis erfolgreich gebrütet“, sagt Projektleiter Matthias Bergmann.
Gemeint sind mindestens drei Wildpaare, die allein im Jahr 2024 zusammen elf Junge haben. Hinzu kommen all die anderen Jungtiere, die erfolgreich in den Volieren groß geworden sind. Insofern hat sich das Projekt, das für insgesamt fünf Jahre angesetzt ist, schon jetzt gelohnt. „Wir rechnen sogar damit, dass es draußen weitere Paare und Einzelvögel gibt, die wir noch nicht ausgemacht haben“, so Bergmann. Hauptförderer dieses einmaligen Naturschutzprojektes ist die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung, dieden Löwenanteil gesponsert hat, zudem gibt es zahlreiche weitere Förderer und Sponsoren. Insgesamt stecken in dem plus zirka 250.000 Euro Eigenleistung.
Ungefähr dreißig Aktive sind es rund um das Steinkauzprojekt, die unzählige Stunden für den Naturschutz aufwenden. „Dabei gibt es auch zahlreiche Helfer, die keine Jäger sind“, betont Lengert. Und damit ist dieses Projekt nicht nur gelebter Naturschutz, vielmehr verbindet es Menschen, die sich gemeinsam für einen guten Zweck stark machen.
Ausgewildert werden die Jungvögel deshalb mit den Elterntieren, da sich diese auch noch nach dem „Flüggewerden“ um ihren Nachwuchs kümmern. „Unter anderem warnen die Elterntiere ihre Jungtiere vor Fressfeinden“, so Bergmann. Um die Auswilderungsvolieren herum sind diverse Bruthöhlen in den Obstbäumen für die Steinkauze aufgehängt. So finden die Tiere nicht nur einen Zufluchtsort, sondern auch einen perfekten Schutz vor Fressfeinden. Denn durch ihre spezielle Bauweise mit dem sogenannten Mondpendeleingang, bieten diese einen wirksamen Schutz insbesondere vor Mardern. Aufgrund ihrer geringen Größe, müssen sich die Steinkauze aber auch vor größeren Beutegreifern wie zum Beispiel dem Habicht stets in Acht nehmen. Gleichzeitig sorgt man mit den Bruthöhlen für eine Ortsbindung der Vögel.
„Damit so ein Projekt gelingt, muss man Verbündete haben, ohne sie geht es nicht“, sagt Lengert. Klare Sache: Das Wirken der Jägerschaft wird durch solche Paradebeispiele in der Öffentlichkeit perfekt dargestellt und hat in diesem Zusammenhang weniger mit der klassischen Jagd, dafür vielmehr mit gelebtem Arten- und Naturschutz zu tun. Das Projekt macht auch deutlich, dass es sich lohnt, Dinge anzugehen und sie gemeinsam zum Erfolg zu führen. Ganz nebenbei birgt es für Reviere neben der hervorragenden Symbiose auch weitere Vorteile, wie zum Beispiel die Förderung und Intensivierung des Prädatorenmanagements und die daraus resultierenden positiven Ergebnisse auch für viele andere Wildarten. Wie eindrucksvoll diese Geschichte wirklich ist, sehen Sie in unserem Video.
Wulf-Heiner Kummetz
Ein Buch über die heimische Flora und Fauna im Landkreis Oldenburg
Der Niedersachse Max Hunger hat 2022 in seinem Buch spannende und detaillierte Informationen zum Steinkauz zusammengefasst. Neben der Biologie und den Verhaltensweisen finden sich hier auch Tipps zum Bau von Nistkästen.
Der Titel „Wilde Geest - Tiere, Pflanzen und Exoten im Landkreis Oldenburg“ lässt viele Überraschungen vermuten. Zunächst stehen Pflanzen und Tiere im Vordergrund, die man als „Neubürger“ bezeichnen kann. Sie sind zum Teil erst in den letzten Jahren hier sesshaft geworden. Einige davon finden gute Lebensbedingungen vor und breiten sich ungebremst aus. Bei einigen hier eingeführten Spezies handelt es sich um Individuen, die aus bestimmten Gründen schon vor vielen Jahren von Menschendhand eingeführt/angesiedelt wurden. Und dann gibt es noch Tiere, die sehr wenig bekannt sind und infolgedessen auch ihr Verhalten. Sie leben im Verborgenen oder sind nachtaktiv. Allen diesen Individuen möchte der Autor eine Plattform geben, um sie bekannter zu machen und an der einen oder anderen Stelle mit Vorurteilen aufzuräumen. Das Buch erhalten Sie über den Isensee-Verlag Oldenburg oder im Buchhandel für 12€
(ISBN 978-3-7308-1991-3).