Auf der Jagd nach dem perfekten Partner

Zeigt bereits im Welpenalter sein Einsatzgebiet an: der Vorstehhund – Quelle: Kauer/DJV

Die Wahl der Rasse

Kaum etwas ist emotional so aufgeladen wie die Diskussion um die richtige Jagdhunderasse. Wer sich als Interessent für den ersten Jagdhund mit anderen Hundeführern austauscht, wird schnell feststellen, dass oftmals die dort geführte Rasse als die einzig wahre und beste angesehen wird. Sicherlich stimmt das für die jeweilige Person auch. Die Erklärung dafür ist einfach: Die Jagdgebrauchshundezucht ist in Deutschland auf einem sehr hohen Leistungsniveau und nahezu jeder verantwortungsvoll gezüchtete Jagdgebrauchshund hat hervorragende jagdliche Anlagen, um ein guter Jagdgebrauchshund zu werden. Trotzdem ist es wichtig, sich mit den Eigenschaften und den Einsatzgebieten der einzelnen Rassen auseinanderzusetzen. Ebenso wichtig ist es, sich ehrlich mit seinen eigenen Stärken und Fähig-keiten sowie den Lebensumständen und den Jagdgelegenheiten zu beschäftigen und selbstkritisch zu hinterfragen, ob die gewünschte Rasse dazu passen könnte.

Jagdhund oder Familienhund? Beides!

Seien wir ehrlich: Wie viele Tage im Jahr haben wir die Möglichkeit, mit den Hunden aktiv zu jagen? Den größten Teil ihres Lebens verbringen Jagdhunde in der Familie, im Büro, im Auslauf oder bei Freizeitaktivitäten. Hierfür müssen unsere Hunde sozialverträglich, anpassungsfähig und oftmals kinderfreundlich sein. Viele dieser Eigenschaften lassen sich über die richtige Sozialisierung bis zu einem gewissen Grad steuern. Trotzdem sollte man immer im Hinterkopf behalten, dass es Rassen gibt, die von Haus aus unterschiedliche Reizschwellen haben.

Das zukünftige Aufgabengebiet des Jagdhundes

Einer der wichtigsten Aspekte bei der Auswahl eines Jagdhundes ist das zukünftige Aufgabengebiet des Hundes. Die verschiedenen Jagdgebrauchshunderassen haben unterschiedliche Stärken und Fähigkeiten, die auf die individuellen Bedürfnisse und jagdlichen Möglichkeiten des Jägers abgestimmt sein sollten. Eine Übersicht über die gängigsten Jagdgebrauchshunderassen und ihre Einsatzgebiete findet sich auf der Internetseite zum Jagdhundewesen in Niedersachsen.

Frühzeitig Unterstützung suchen und die Ausbildung planen

Unabhängig davon, für welche Rasse man sich entscheidet, ist es für Erstlingsführer entscheidend, sich Unterstützung zu suchen. Die Ausbildung eines Jagdhundes erfordert Fachwissen, Geduld und eine fundierte Methodik. Fachlich fundierte Unterstützung findet sich oft in der örtlichen Jägerschaft, einem Jagdgebrauchshundeverein oder einem Zuchtverein. Diese Organisationen bieten Zugang zu Hundeführerlehrgängen und können wertvolle Kontakte zu erfahrenen Hundehaltern und Ausbildern vermitteln. Der Austausch mit Gleichgesinnten und die Möglichkeit, von deren Erfahrungen zu profitieren, sind unschätzbar wertvoll für angehende Hundeführerinnen und Hundeführer.

Um die optimale Unterstützung zu finden, ist es allerdings erst einmal wichtig, das Ausbildungsziel zu definieren. Oftmals sind Ausbildungsziele durch Prüfungsordnungen oder Brauchbarkeitsrichtlinien vordefiniert. Trotzdem muss man sich immer wieder vor Augen führen, dass letztendlich die jagdliche Praxis das Ausbildungsziel definieren muss. „Das Wild fragt nicht, welche Prüfung der Hund abgelegt hat, der es von seinem Leid erlösen soll!“ ist ein treffendes Zitat des Präsidenten des JGHV, Karl Walch. Der Tierschutzgedanke muss bei der Ausbildung des Hundes und in der Jagdpraxis mit dem Hund stets gelebt werden.

Den für sich richtigen Ausbildungsweg wählen

Bei der Auswahl des Ausbildungskurses sind das Ausbildungsziel und die Methodik der Ausbildung entscheidend. Letztendlich wird in Hundeführerlehrgängen der Hundeführer ausgebildet und angeleitet den Hund richtig zu lehren. Dementsprechend muss ein Ausbildungskurs auch zum Menschen passen. Eine alternative Möglichkeit besteht darin, professionelle Jagdhundeausbilder für Einzeltrainings zu engagieren. Im Einzeltraining können individuelle Trainingspläne erstellt werden und es kann auf spezielle Wünsche und Zeitplanungen Rücksicht genommen werden.

Da das Angebot der Jagdhundeausbilder und Lehrgangsleiter sehr unübersichtlich ist, hat der Jagdgebrauchshundverband e.V. im Jahr 2022 das Siegel „Ausbildungsleiter – vom JGHV empfohlen“ erschaffen. Dieses Siegel erhalten nur Jagdhundeausbilder, die sowohl verschiedene Rassen selbst ausgebildet und durch Verbandsgebrauchsprüfungen geführt haben als auch erfolgreich Ausbildungskurse geleitet haben.

Die Wahl der richtigen Jagdhunderasse und die entsprechende Ausbildung sind entscheidende Faktoren für ein erfolgreiches und harmonisches Zusammenleben und -arbeiten mit dem Hund. Mit der richtigen Vorbereitung und Unterstützung steht einem erfüllenden Jagd- und Familienleben mit dem neuen vierbeinigen Begleiter nichts im Wege.

Elfi Johannmeyer