Julian (Landkreis Ammerland – 32 Jahre) Jagdschein seit 2010, Pächter seit 2018

Der Aufgang der Bockjagd – was macht ihn für Sie besonders?

Julian - Für mich ist der Aufgang der Bockjagd gleichbedeutend mit dem Ende der kalten Jahreszeit. Ich verbringe die ersten warmen Tage im Revier damit, mir einen Überblick über den Bestand zu verschaffen. Es ist immer wieder spannend zu sehen, was für Böcke wir in diesem Jahr haben, bzw. wie sich der ein oder andere entwickelt hat. Zudem beginnt für mich nun die Jagd mit dem Pirschstock – eine spannende Jagdart wie ich finde. 

Willi – Endlich erwacht die Natur und mit ihr das Leben im Revier. Wenn die Haselnuss anfängt zu blühen bin ich schon im Revier und beobachte den Fasan bei der Balz, Langohr bei der Hochzeit und natürlich das Rehwild, welches noch in Sprüngen auf den kargen Äckern steht. Dabei lässt sich gut erkennen, ob die Böcke vom Vorjahr, die man geschont hat, noch da sind und wie diese bereits geschoben haben. 

Traditionell beginnt die Bockjagd am 01. Mai, seit einer im Jahr 2021 durchgeführten Änderung der Jagdzeiten-Verordnung beginnt die Jagdzeit in Niedersachsen bereits ab dem ersten April. 

Wie ist Ihr Revier beschaffen und haben Sie seit 2021 Ihre Jagdausübung umgestellt?

Julian - Unser Revier hat einen Waldanteil von unter fünf Prozent. Es handelt sich also um ein reines Feldrevier. Ich bin ein wenig zwiegespalten was die Bejagung ab dem 01. April angeht: Rehwild hat eine sehr lange Jagdzeit, die bis zum 31. Januar andauert. Die Jagdruhe fällt also entsprechend kurz aus. Einen großen Vorteil sehe ich darin, dass das Rehwild im April teilweise noch in Sprüngen zusammensteht. Schwache Böcke oder Knopfböcke sind in der Gemeinschaft schnell ausgemacht und können erlegt werden, bevor sie heimlich werden bzw. von stärkeren Böcken getrieben werden. Auch an bekannten Wildunfallschwerpunkten im Revier ist eine Bejagung im April sicherlich sinnvoll. 

Ein Nachteil bei der Bejagung ab April sehe ich in der starken Beunruhigung während der Brut- und Setzzeit. Ab Mai kommt dann zusätzlich noch die Frühjahrsmahd und somit eine weitere Beunruhigung beziehungsweise zusätzliche Belastung für unser Niederwild hinzu. 

Daher versuche ich in einem kurzem Zeitintervall mehrere Stücke zu erlegen, damit anschließend wieder Ruhe einkehren kann. Die Pirsch ist dabei sehr effektiv und ich kann in kurzer Zeit unterschiedliche Ecken des Reviers bejagen. 

Das heißt ja, wir haben unsere Jagd seit 2021 umgestellt und bejagen seither bereits ab April ganz gezielt sehr schwache und Knopfböcke sowie Abnorme oder eben reife Böcke, nach Möglichkeit also älter als 5 Jähre. Schmalrehe lassen sich ebenfalls im April in den Sprüngen sehr gut ansprechen. 

Willi - Ich jage in einem reinen Feldrevier mit einem überschaubaren Rehwildbestand. Fege- oder Verbissschäden spielen hier keine Rolle. Wir beginnen traditionell ab dem 01. Mai mit der Jagd auf Schmalreh und schwache Böcke. Insbesondere an stark befahrenen Straßen und Unfallschwerpunkten sitzen wir dann vermehrt an. 

Reife Böcke hingegen werden bei uns erst mit der Blattzeit bejagt. Es ist doch toll zu sehen was sie im Laufe des Sommers so ausfressen, wo sie sich rumtreiben und sie immer mal wieder in Anblick zu bekommen. Zudem dürfen sie sich auch ruhig nochmal vererben. 

Durch lange Jagdzeiten und viel Beunruhigung über das Jahr sind wir bewusst bei den alten Jagdzeiten geblieben und gönnen dem Rehwild seine verdiente Ruhe. 

Was empfehlen Sie einem Jungjäger zum Aufgang der Bockjagd? Welcher Bock ist der Richtige?

Julian - Ich empfehle anfangs in Begleitung eines erfahrenen Jägers auf Ansitz zu gehen. Dieser kann u.a. bei der Altersansprache helfen und zusätzliche Erfahrung über das Verhalten von Rehwild weitergeben. Ein zweiter Blick beim Schuss ist ebenso vorteilhaft – also hat das Stück gezeichnet, wie ist der Schütze abgekommen? Man muss sich jedoch bewusst sein, auch der erfahrene Jäger hilft nicht beim Schuss. Dafür ist jeder selbst verantwortlich und das muss passen. Also vorher unbedingt nochmal auf dem Schießstand üben. 

Dann gebe ich zu bedenken, dass der erste Bock etwas Besonderes ist; der Abschuss sollte also nicht erzwungen werden. Hier heißt es abwarten bis sich die passende Situation ergibt. 

Nach dem Schuss sollten zudem alle Schritte der roten Arbeit selbst übernommen werden, am besten unter Anleitung. Nur das schult für die Zukunft. Der erfahrene Jäger darf und sollte natürlich mit Rat und Tat unterstützen. 

Willi – Nach bestandener Jägerprüfung auf Ansitz zu gehen ist ein besonderer Moment. Ich empfehle daher anfangs ohne jegliche Erwartungen und ohne das Ziel „Beute zu machen“ raus zu gehen. Mit der Büchse auf Ansitz, einfach nur Beobachten und das Erlernte in der Praxis abrufen: Welche Wildtiere oder Vögel sehe, höre und erkenne ich - Wie verhält sich das Rehwild - Was habe ich zu Altersansprache und Verhalten gelernt - Den Umgang mit der Waffe festigen – mal in Anschlag gehen, den Puls kontrollieren - Kurz um: Satt gucken, Erfahrungen sammeln und lernen. Wenn die erste Aufregung beim Anblick vorüber ist, kann nach Absprache mit dem Jagdherrn natürlich auch auf das erste Stück gewaidwerkt werden. 

Welcher Bock der richtige ist? Ich sage immer, der der einem Spaß macht. Ansonsten ist man mit einem geringen Bock zu Anfang sehr gut beraten. 

Willi (Landkreis Cloppenburg - 67 Jahre) Jagdschein seit 1974, Pächter seit 1979

Was empfehlen Sie einem Jungjäger zum Aufgang der Bockjagd? Welcher Bock ist der Richtige?

Julian - Ich empfehle anfangs in Begleitung eines erfahrenen Jägers auf Ansitz zu gehen. Dieser kann u.a. bei der Altersansprache helfen und zusätzliche Erfahrung über das Verhalten von Rehwild weitergeben. Ein zweiter Blick beim Schuss ist ebenso vorteilhaft – also hat das Stück gezeichnet, wie ist der Schütze abgekommen? Man muss sich jedoch bewusst sein, auch der erfahrene Jäger hilft nicht beim Schuss. Dafür ist jeder selbst verantwortlich und das muss passen. Also vorher unbedingt nochmal auf dem Schießstand üben. 

Dann gebe ich zu bedenken, dass der erste Bock etwas Besonderes ist; der Abschuss sollte also nicht erzwungen werden. Hier heißt es abwarten bis sich die passende Situation ergibt. 

Nach dem Schuss sollten zudem alle Schritte der roten Arbeit selbst übernommen werden, am besten unter Anleitung. Nur das schult für die Zukunft. Der erfahrene Jäger darf und sollte natürlich mit Rat und Tat unterstützen. 

Willi – Nach bestandener Jägerprüfung auf Ansitz zu gehen ist ein besonderer Moment. Ich empfehle daher anfangs ohne jegliche Erwartungen und ohne das Ziel „Beute zu machen“ raus zu gehen. Mit der Büchse auf Ansitz, einfach nur Beobachten und das Erlernte in der Praxis abrufen: Welche Wildtiere oder Vögel sehe, höre und erkenne ich - Wie verhält sich das Rehwild - Was habe ich zu Altersansprache und Verhalten gelernt - Den Umgang mit der Waffe festigen – mal in Anschlag gehen, den Puls kontrollieren - Kurz um: Satt gucken, Erfahrungen sammeln und lernen. Wenn die erste Aufregung beim Anblick vorüber ist, kann nach Absprache mit dem Jagdherrn natürlich auch auf das erste Stück gewaidwerkt werden. 

Welcher Bock der richtige ist? Ich sage immer, der der einem Spaß macht. Ansonsten ist man mit einem geringen Bock zu Anfang sehr gut beraten. 

Bockjagd

Zwei Jäger - drei Fragen – sechs Antworten

Wir haben zwei Jäger aus Niedersachsen zu ihrem persönlichen Start in die neue Jagdsaison befragt. Beide eint die Passion zur Jagd und die große Hingabe zum Schutz und der Förderung unserer Niederwildarten. Beide unterscheidet lediglich das Alter, ganz und gar 35 Jahre. Ist Altersunterschied gleich Meinungsunterschied? Lesen Sie selbst!